244 Siebenunddreißigſtes Kapitel.
vorgeſpielt, war ſtolz darauf, dieſes Talent geahnet zu haben, und Manche ſah man bei den lieblichen Melodien ſelbſtzufrieden den Kopf wiegen, als wollten ſie ſagen: dieſe Melodie hat mir immer am Beſten gefallen, und: Publikum, du verdankſt uns dieſen Abend, denn wenn wir den jungen Künſtler nicht in unſere Geſellſchaft gezogen hätten, ihn nicht auf's Kräftigſte mit Thee und Butterbrod protegirt, ſo hätteſt du auf den heutigen köſt⸗ lichen Genuß verzichten müſſen.———
Wo war aber in dieſem Augenblick das Mädchen, das dem jungen Mann treu zur Seite geſtanden, jenes edle Herz, das untergegangen war, das ſich ſelbſt geopfert hatte, um den Ge⸗ liebten zu erheben? War ſie vielleicht in jenen glänzenden Logen, bedeckt mit Brillanten, deren Glanz vor dem Schimmer ihres Aluges erblichen wären? War ſie dort, wo der beſte Platz eben gut genug geweſen wäre für ihr aufopfernden, edlek⸗ reined 1 2——— Nein, ſte war nicht da, es war ihrer Seele 4 3 nicht vergönnt, unter jenen lieblichen Melodien, die ſie gekannt
und gepflegt, unter jenem Beifallsſturm ſüß zu erſchauern und zu erzittern. Sie war verſchwunden, ſpurlos verſchwunden! untergegangen, wie roſige Gluth des Abends, verflogen, wie der Duft eines ganzen Blüthenwaldes!—————
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Dem Oberkutſcher Herrn Winkler hatte dieſe Vorſtellung außer dem Eintrittsgeld für ſich und ſeine Geſellſchaft ein Paar ſchöne neue Handſchuhe gekoſtet, die er buchſtäblich zerklopfte, auch war er ſo heiſer geworden, daß er nicht ganz ohne Grund fürchtete, der Pfarrer werde ſich morgen bei der höchſt wichtigen Ceremonie ſtatt des feierlichen Ja mit einem Kopfnicken begnügen müſſen. Nichts deſto weniger aber gieng er außerordentlich zufrieden nach Hauſe, und allen Betheiligten gieng es heute Abend ſo.


