242 Siebenunddreißigſtes Kapitel.
ſchon wieder ein neues Viertel. Es war wahrhaftig nicht zum Aushalten! Jetzt ſchlug es Fünf, und ſämmtliche geſtern Ein⸗ geladene, mit Ausnahme der Kiliane, die ſich zu Bett gelegt hatte, ſtiegen die Treppen zum königlichen Hoftheater hinauf— Alle in ängſtlicher Erwartung der Dinge, die da kommen ſollten, Alle ſehr aufgeregt, da ſie eifrigſt Partei nahmen für den Debü⸗ tanten Herrn Dubelli.
Als ſie in dem weiten Hauſe ankamen und auf der dritten Gallerie ihre Sitze einnahmen, war es noch ziemlich dunkel rings umher; nur die Plätze oben und neben ihnen waren beſetzt, in den Logen ſah man noch keine Seele und unten im Parterre nur leere Bänke. Blos im Orcheſter waren ein paar Lampen ange⸗ zündet und warfen ein ſchwaches Licht um ſich her und ſtrahlten kümmerlich auf der reichen Vergoldung der Proſceniumslogen wieder. Die Leute in den oberen Logen, die ſich vor der eigenen Stimme fürchteten, welche ſo laut in dem leeren Raume klang, ſprachen leiſe aber eifrig zuſammen, und ſo ſummte und wogte es unverſtändlich durch einander. Jeder fühlte ſich in der Dunkel⸗ heit, die hier herrſchte, unbehaglich; es war wie bei Erſchaffung der Welt, ehe es Licht ward, wonach ſich Alles geſehnt, und deßhalb ſchaute auch hier Jeder erwartungsvoll an die Decke hinauf, wo ein kleiner, unbeleuchteter Spalt ſichtbar wurde, der ſich allmählig vergrößerte, jetzt zu einer großen runden Oeffnung wurde, aus welcher langſam und feierlich der Kronleuchter mit ſeinen hundert Lichtern hell und ſtrahlend darnieder ſchwebte. Wie kehrten ſich nun plötzlich alle Geſichter, wie die Blätter einer Epheuwand im Thurm, dem Lichte zu! Wie fühlten ſich die Aelteren ſo beruhigt, wie lachten und jubelten die Jüngeren, die das zum erſten Male ſahen! Jetzt wurden auf Notenpulten im Orcheſter die Stimmen aufgelegt, jetzt erſchienen die Muſiker nach und nachn jetzt der Kapellmeiſter, dann füllte ſich das Par⸗ terre, endlich auch kurz vor dem Anfange die Logen mit Einem


