Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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236 Siebenunddreißigſtes Kapitel.

genommen, was du ihnen ſo freundlich, ja reichlich geboten. In Keltern und auf Speichern lagern deine Gaben in bunten farbigen Haufen. Das ganze Menſchengeſchlecht haſt du bedacht und jede Altersklaſſe beſonders, und wenn das Kind in den roth⸗ backigen Apfel beißt, ſo verſucht der Mann prüfend den neuen ſchäumenden Wein und dankt dir kaum, wenn er ausgezeichnet iſt, und ſchmäht dich, wenn er den vorjährigen nicht übertrifft. Armer alter Herbſt! Die Menſchen ſind ein undankbares Geſchlecht; wie haben ſie in deinem Arme, an deinem warmen, liebevollen Herzen geſchwelgt, ſo lange du noch friſch und jung warſt! Jetzt verläugnen ſie dich alle, und wenn man von dir ſpricht, ein ſeltener Treugebliebener nämlich, und will dich auf⸗ ſuchen auf ödem Feld und in entblättertem Walde, ſo ſagen ſie: bleib' doch zu Hauſe, der Spätherbſt iſt unangenehm! So entſchläfſt du ſanft und ſelig, im ſüßen Bewußtſein all' des Guten, das du gethan, und flüſternde Nachtwinde vertrauen dem neuen Winter, der nun mit ſtarker Hand das Regiment ergreift, wie das undankbare Menſchengeſchlecht mit dir umgieng. Das macht den Winter hart und wild, denn er denkt: wartet, ich will euch ſchütteln! Und er ſchüttelt und bläst und ſaust und kracht durch die Natur und ſeine wilden Geſellen, die Schneewinde, ſchlagen den Menſchen die Thüre vor der Naſe zu, wenn ſie in's Freie wollen, und zerzauſen ſie, wo ſich einer ſehen läßt. Der Winter ſelbſt aber ſchreitet hohnlachend einher und ſchüttelt ſeine weiße Pelzmütze, und wenn er ſie ſchüttelt, rufen die Menſchen: es ſchneit, es ſchneit!

So war es denn wieder einmal Herbſt geworden. Der Wind, der des Morgens über die Stoppeln zur Stadt kam, riß in den Alleen ganze Körbe voll Blätter ab und warf ſie auf den Boden, einen buntfarbigen Teppich bildend, was ganz aller⸗ liebſt ausſah. Reizendes ſchuf die herbſtliche Natur bei einem kleinen Raſenplatz vor dem Schloſſe, ein friſcher, grüner