230 Sechsunddreißigſtes Kapitel.
macht, es iſt riskirt, es kann herauskommen, wahrhaftig ich wollte, es wäre nicht geſchehen!“
„Wie iſt mir denn, Gevatter?“ lachte der Andere und ſah dem Steinmann ſtarr ins Geſtcht.„Seid Ihr fromm geworden, oder iſt es vielleicht wahr, was man ſich in der Stadt munkelt, man habe Euch die Meßnerei an der Stadtkirche übertragen? He! was iſt Wahres daran?“
„Ja,“ ſagte der Steinmann feſt und beſtimmt, ves iſt ſo, und deßhalb bin ich eigentlich da, um mit Euch Beiden ein paar ernſte Worte zu ſprechen. Mit dir und mit der Frau da.“
Der Gevatter ſtützte die Ellbogen auf den Tiſch, legte den Kopf darauf und horchte aufmerkſam zu, ohne einen Blick von den Wechſeln abzuwenden.
„Ihr wißt,“ ſagte der Steinmann,„daß ich ſtets mit Euch treu und redlich zuſammen gehalten, daß wir eine Reihe von Jahren gute Geſchäfte gemacht, und daß ich Euch in keiner Weiſe übervortheilt. Gebt das zu, Gevatter, und Ihr auch, Frau, das Bißchen, das ich hie und da mehr bekam, war nicht der Rede werth für die größere Arbeit, für die Gefahr, in der ich beſtändig geſchwebt, und für den trefflichen Rath, den ich Euch immer gegeben, nicht zu gedenken des polizeilichen Schutzes, der Euch durch mich zu Theil wurde. Ich habe Euch aber ſchon vor längerer Zeit geſagt, daß, wenn ich einmal in den Fall komme, meine bisherige Stellung zu verlaſſen und mich zu ver⸗ beſſern, alsdann unſere Verbindung aufhören müſſe, und der Augenblick iſt jetzt gekommen. Es iſt wahr, ich habe den Meß⸗ nereidienſt an der Stadtkirche erhalten, und ebenſo wahr iſt es, daß ich einestheils auf dieſem Poſten doch ſchicklicher Weiſe unſere Geſchäfte nicht fortſetzen kann, und daß ich Euch anderntheils wenig mehr nützen kann, indem ich meine bisherige Stellung verlaſſe. Deßhalb müſſen wir uns trennen.“


