Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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228 Sechsunddreißigſtes Kapitel.

Dort ſchien man ihn erwartet zu haben, wenigſtens der Gevatter, der in ausgelaſſener Luſtigkeit entſetzlich ſchielte und, auf dem Sopha ſitzend, die Füße luſtig hin und her ſchlenkerte. Die Frau ſaß in der Ecke des Zimmers und nähte an einem alten Ueberrock. 3

„Wie gerufen, wie gerufen!“ lachte der Gevatter dem Ein⸗ tretenden entgegen;„rathet, was ich hier für Euch habe!“

„Nun, was wirds ſein!“ ſagte mürriſch der Steinmann; „irgend eine Gaunerei, eine ſchlechte Geſchichte, oder,“ ſetzte er freundlicher hinzu,„am Ende ein Brief von der Anna— wie, Alte?“

Die Frau gab keine Antwort, ja, ſte blickte nicht einmal in die Höhe; der Gevatter aber rief luſtig:„beſſer als das, viel beſſer als das! Na, rathet einmal!— Könnt Ihr nicht? Habt Ihr gar keine Ahnung? Nun ich will es Euch ſagen, — Briefe aus Mailand habe ich, ſchöne Briefe aus Mailand, poste restante an Eure Adreſſe, ich habe ſte von der Poſt ge⸗ holt. Da nehmt! Gott verdamm mich, die haben ſchnell geant⸗ wortet!“

Der Steinmann wechſelte einen Augenblick die Farbe, aber kaum merklich, als ihm der Gevatter das Packet überreichte; dann ſchielte er zu der Frau Müller hinüber, welche aber wie vorhin that, als achte ſie nicht auf das Gerede der Beiden. Darauf trat er mit dem Packet ans Fenſter, riß den Umſchlag ab und der Gevatter, der vom Sopha aufgeſtanden war, lehnte ſich an daſſelbe und ſah forſchend in das geöffnete Packet und auf die Züge des Steinmanns.

Es waren ein paar Briefe in demſelben, ſo wie ein paar zuſammengefaltete Papiere, welche das gierige Auge des Ge⸗ vatters alsbald für Wechſel erkannte. Der Steinman las die