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Ein Bürgerball und ſeine Folgen. 221
die Arme— nicht der Hofräthin, wie ſie erwartet, ſondern des jungen Eduard, der hier in der Ecke einem ſanften Schlummer oblag.
Dieſer vortreffliche junge Mann hatte heute ſein Comptoir geſchwänzt und eine kleine Landpartie gemacht, aber durchaus nicht in der Abſicht, um der Arbeit zu entgehen, vielmehr mit dem ſehr löblichen Vorſatze, etwas Nützliches zu erlernen, indem ein anderer junger Buchhändler, der lange am Rheine conditio⸗ nirte, verſprochen hatte, ein neues, ſehr gutes Getränk anzu⸗ fertigen, bekannt unter dem ſanften Namen: Maitrank, und deſſen Recept mitzutheilen. Dieß war auch geſchehen. Der Maitrank gelang außerordentlich gut und eine allgemeine Er⸗ heiterung war die Folge der zweiten Bowle. 4
Man kann ſich denken, daß der junge Eduard, vollſtän⸗ dig überraſcht, aus ſeinem Schlummer empor fuhr, und da ihm geträumt, er müſſe ſich an irgend einen beliebigen Pfeiler an⸗ klammern, um nicht in ein wildes toſendes Meer zu ſeinen Füßen zu fallen, ſo hielt er einen Augenblick die erſchrockene Honora⸗ tiorentochter feſt in ſeinen Armen. Bald aber klärte ſich das Mißverſtändniß auf, und in dem Zimmer dagegen wurde es immer dunkler. Wir wollen mit dieſer Aufklärung nicht geſagt haben, als ob die Honoratiorentochter die Scene, welche ſie mit dem Herrn Dubel gehabt, erzählt— Gott bewahre! ſondern ſie erfand vielmehr ein recht artiges Mährchen, an deſſen Schluſſe ſich der junge Eduard in dem Glauben befand, als habe Tante Eliſe ſeit jenem unvergeßlichen Ballabend ſeiner zärtlich gedacht, ja, ihn eigentlich geliebt. Dafür nun bezeugte ſich Eduard ſehr dankbar; auch er erklärte rte der Tante Eliſe, nach jenem erſten Tage beſtändig mit einer Hochachtung, die an Liebe grenze, ihrer gedacht zu haben, und als die Hofräthin, vielleicht eine Stunde ſpäter, nach Hauſe kam, fand ſie zu ihrem größten


