34 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
Sie mir, theurer Freund, unter hundert Kritikern verſteht kaum Einer etwas Gründliches davon, und die meiſten betreiben das Geſchäft, bewußt oder unbewußt, auf die gleiche Art; mich wundert nur Eins: wie nämlich Künſtler und Publikum ſo dumm ſein können, auf Recenſtonen etwas zu geben— und ſie geben etwas darauf, geben ſehr viel darauf! Sehen Sie, wenn z. B. morgen der Herr A., der den Robert ſpielt— und er ſpielt ihn nicht ſchlecht,— in der„Spinne“ liest, wie folgt: Die Schönheiten des großartigen Tonwerks von dem unſterb⸗ lichen Meyerbeer— Meyerbeer, müſſen Sie wiſſen, wird im⸗ mer gelobt, erſtens, weil er ein reicher Mann iſt, dem es, wenn er einmal zufällig die„Spinne“ zu Geſicht bekommt, nicht darauf ankommt, dem Referenten zwanzig Dukaten zu ſchicken, und zweitens, weil es der große Meiſter wirklich verdient— ſind zu oft geſchildert und beſprochen worden, als daß unſere ſchwache Feder nur ein Wort über dieß herrliche Eigenthum ſämmtlicher muſikliebenden Nationen ſich zu ſagen erlauben dürfte. Man kann vor dieſem koloſſalen Werke nur bewundert hinſtehen und kann den Genius des Meiſters nur preiſen, der es vermochte, ſolch' eine eminente Compoſition von dieſer Ausdehnung ſo zu erſchaffen, daß das entzückte Ohr des Muſikkenners von Anfang bis zu Ende athemlos und gefeſſelt lauſcht. Was helfen uns, wie bei unſern großen ältern deutſchen Compoſttionen, ſanfte einſchmeichelnde Melodieen, wenn ſie, wie ſo manche derſelben, nicht unterſtützt durch glänzende, prachtvolle Chöre, farblos vorübergleiten? Hier bei Meyerbeer iſt wahres Leben, wahres Gefühl, und wenn jene Opern, für welche die ſogenannten klaſſiſchen Muſikfreunde in vollkommener Lächerlichkeit ſchwär⸗
men, längſt verblichen ſind, werden„Robert,“ die„Huge⸗
notten,“ und der„Prophet“ ein herrliches Dreigeſtirn ewig jung und ewig friſch am muſtkaliſchen Himmel prangen!“
„Sehen Sie, darüber ärgern ſich die Mozart'ſchen, ſie
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