Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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Ein Bürgerball und ſeine Folgen. 33 8

„Für dieſes Mal iſt es nur geringere Arbeit,“ ſagte der Doktor ruhig: neine kleine Theaterrecenſion.“

„Ei!“ ſagte der Herr Dubel,„verzeihen Sie meine Neu⸗ gierde, lieber Herr Doktor, aber ich habe niemals eine ſolche im Manuſcript geleſen; wäre es vielleicht unbeſcheiden, wenn ich Sie bäte, mir Ihre Arbeit zu zeigen?“

Der Herr Dubel nahm das Blatt und las: Sonntag, den 4. Mai: Robert der Teufel von Meyerbeer.—„Das iſſſſ⸗t ja erſſſſ⸗t heute Abend!“ ſagte er mit ziemlichem Erſtaunen.

„Allerdings,“ bemerkte der Doktor ſehr ruhig, ves iſt das eine Recenſton für die Vorſtellung, welche heute Abend ſtattfindet; dieſelbe wird wohl bis zehn Uhr dauern, und nach⸗ her habe ich nicht Zeit noch Luſt, das Ding zu ſchmieren.“

„Aber wie kann man ſo etwas im Voraus machen?“ meinte Herr Dubel, worauf der Doktor entgegnete:

„Bei einer Theaterrecenſion kommt es für den Kritiker nicht ſo genau darauf an, wie jene Vorſtellung wirklich ge⸗ weſen; man folgt dabei dem Schema, das man ſich ſelbſt ge⸗ macht. Seine Freunde lobt man natürlich, ſeine Feinde ſetzt man herunter, mögen ſie nun geſpielt haben, wie ſie wollen, das iſt ganz gleichgültig.“

„Ah ſo!“ ſagtender Schneider mit ziemlich langem Ge⸗ ſichte;„alſo ſchreibt man Kritiken, ohne zu wiſſen, wie die Künſſſſ⸗tler geſpielt?“

„Auf alle Fälle,“ entgegnete der Doktor;„das bleibt ausgemacht, Unrichtigkeiten kommen natürlicher Weiſe häufig genug vor, auch wenn man die Sache noch ſo gründlich betrei⸗

ben wollte, die meiſten Recenſtonen werden eben um's tägliche Brod geſchrieben, und da muß man in daſſelbe Horn mit dem Eigenthümer des Blattes blaſen; andere ſchreibt man, wie ge⸗ ſagt, um ſeine Freunde zu erheben, um ſeine Feinde zu ärgern, das iſt einmal Herkommen, eine ewige Ueberlieferung. Glauben Hackländer, Namenl. Geſchichten. II. 3