30 Dreiundzwanzigſtes Kapitel.
ſage ich Ihnen; o mein Gott! und das ſoll ich mir von einem ſolchen Subjekt bieten laſſen?“
„Sie brauchen ſich von mir gar nichts bieten zu laſſen!“ entgegnete feierlich Herr Dubel und nahm ſeine ſchönſte Stellung an;„ich habe überhaupt nicht Luſſſſ⸗t, Ihnen etwas anzubieten; das einzige Gefühl, das mich manchmal beſchleicht, iſſſſet allein das des Erbarmens, des Bedauerns; ja, mein Fräulein, ich bedaure Sie!“— Damit wandte ſich der Herr Dubel nach der Thüre und überhörte, was die erhitzte und erzürnte Schöne ihm nachrief, indem er die Thüre hinter ſich in's Schloß warf und ſchwer aufathmend, aber gar nicht unglücklich, die Treppen hinab eilte.
Unten angekommen, gieng er in den Hof, um durch die Hinterthüre, welche erſt bei einbrechender Nacht geſchloſſen wurde, in die Straßen zu gelangen. Als er mit leichten Schritten in den dunklen Holzſchuppen trat, hörte er, wie zwei Männer die Treppen zur Wohnung über dieſem Gelaſſe hinaufſtiegen und mit einander ſprachen. Der Eine ſagte:
„Nun, ich will es Euch glauben, daß ſie Euch von ihrer Flucht nichts auf die Naſe gebunden haben; ich muß es glauben und ich will es glauben, denn, beim Teufel! wenn ich Euch im Verdacht hätte, daß Ihr den Weibern gegen mich geholfen, ſo machte ich Euch kalt, darauf könnt Ihr Euch verlaſſen.“
„Seid nur nicht gleich ſo hitzig, Gevatter,“ ſagte der
Andere,„und denkt einmal vernünftig nach, was es mir hätte nützen können, die Weiber zur Flucht zu ermuntern oder ihnen
zu helfen; verliere ich nicht an unſerer guten Freundin Madame Müller mehr, als Ihr an dem dummen hochmüthigen Mädel? O, ſie war eine geſcheidte, kluge Perſon, die Alte nämlich! Was für einen guten Rath hatte ſie nicht immer bei der Hand, wie
wußte ſie Alles zu erklären und ſcharf zu beurtheilen! Das
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