Ein Bürgerball und ſeine Folgen. 29
„Nimmermehr!“ ſagte die Honoratiorentochter und rückte in die Ecke des Sopha's, welche ſie vorhin freiwillig verlaſſen. „Kommen Sie mir nicht näher, mein Herr, Sie werden zu⸗ dringlich!“
Obgleich der Schneider über dieſe Wendung, welche die
zärtliche Scene nahm, ſich durchaus nicht unglücklich fühlte, ſo war er doch im höchſten Grade überraſcht und konnte ſich nicht enthalten zu fragen:„aber was wollten wir denn eigentlich, mein Fräulein?“ —„Ich weiß es nicht!“ ſagte entrüſtet die Honoratioren⸗ tochter, indem ſie von dem Sopha aufſtand;„das ſcheint mir hier ein vorbereiteter Ueberfall geweſen zu ſein— o Gott! in welche Falle bin ich gerathen?“— Sie gieng mit heftigen Schritten im Zimmer auf und ab und murmelte zwiſchen den Zähnen: veine Heirath?— O Gott, dieſe Schmach! Eine Heirath mit einem Schneider!“
Seinerſeits erhob ſich der Herr Dubel ebenfalls ſehr ent⸗ rüſtet und ſagte feierlich:„mein Fräulein, ich habe mich ent⸗ ſetzlich in Ihnen getäuſcht, ich glaubte bei Ihrem SSSS⸗tande, bei Ihrer Bildung annehmen zu können, daß die Zuneigung, welche Sie zu mir gefaſſſſt, auf eine edle Abſicht begründet ſei, mir die Hand zu reichen und mich dadurch zu dem Range zu er⸗ heben, den Sie einnehmen, mir durch Ihre Glücksgüter äußer⸗ lich das zu verſchaffen, was mir fehlt; ich ſage nur äußerlich, mein Fräulein, denn was mein Inneres anbelangt, ſo iſſſſ⸗t es unendlich reich und könnte zehn Herzen wie das Ihrige mit Edel⸗ muth und anſſſſ⸗tändigen Geſinnungen ausfüllen, zehn ſolcher armen Herzen.“
„Ich ein armes Herz?“ ſchrie entſetzt das Fräulein und ſank auf das Sopha, indem ſie that, als weine ſie bittere Thrä⸗
nen;„ich ein armes Herz?— Was an mir iſt arm?— Nichts!


