Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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Ein Bürgerball und ſeine Folgen. 25

Entdeckung nicht löſchen konnte. Die heimliche glühende Leiden⸗ ſchaft des ſo tief unter ihr Stehenden, meinte ſie, habe einen ungeheuren poetiſchen Reiz; ſie dachte an alle Romane, wo der Sklave ſeine Gebieterin geliebt, der gemeine Knecht die Fürſtin, und beſchloß, ſich auch ſo lieben zu laſſen— heimlich und ver⸗ ſchwiegen, aber ſüß und innig!—

Anders aber dachte der Herr Dubel. Als er ſich die Sache näher und Tante Eliſe bei Tageslicht beſah, kühlten ſich ſeine Gefühle, die er an jenem Ballabende gefaßt, bedeutend ab; als er aber im königlichen Balletſaale die blonde Solotänzerin ge⸗ ſehen, hatte ſich ſein Herz ganz verwandelt; wenigſtens beſchloß er, vorſichtig und überlegt zu Werke zu gehen.„Wer weiß,“ ſagte er zu ſich ſelber,„wer weiß, ob die Liebe jener Dame— er meinte nämlich die Tante Eliſe— nicht ſo heftig zu dir iſt, daß ſie dir Mittel gibt und Wege anzeigt, um zu einer hohen, ſchönen Stel⸗ lung im Leben zu gelangen, und will ſte dann, wenn du erhaben und würdig daſtehſt, dich heirathen, ſo mußt du ſchon ein Auge zudrücken. In dieſem Falle kannſt du einer glücklichen Zukunft dein Herz ſchon zum Opfer bringen.— Wohlan! du willſt ſie alſo heirathen!“

Tante Eliſe aber brannte in hellen Flammen und dachte: „warum ſoll ich nicht, wenn auch in ſpäteren Jahren, die Süßigkeiten einer erſten Liebe genießen, einer Liebe, ſo ver⸗ ſchwiegen, ſo unſchuldig, ſo gefahrlos? Wer wird eine Ahnung davon haben, daß ich hier bei der alten Büglerin mit einem jungen Manne zuſammenkomme? und wenn es Jemand erführe — was thut's? Würde wohl die böſeſte Zunge im Stande ſein, mich zu beſchuldigen, ich hätte einen Schneider zum Geliebten?“

Mit dieſen Gedanken ſaßen der Herr Dubel und die Tante Eliſe am nächſten Sonntag in den ſpäteren Nachmittagsſtunden in der Wohnung der Jungfer Kiliane, und die alte Büglerin, nachdem ſie noch einmal die grauenvolle Geſchichte des nächtlichen