Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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jedoch der Brand ihres Herzens zu Hülfe kam, den ſelbſt dieſe

Dreiundzwanzigſtes Kapitel.

unglücklichen Bräute eifrigſt annahm. Bald aber genügten dieſe

eingebildeten Leiden ihrem fühlenden Herzen nicht mehr, und dagegen wurde es ihr Bedürfniß, ſich an wirklichem Schmerz zu erlaben, zu welchem Zwecke ſie ſich in alle unglücklichen Ehen drängte, alle verſtimmten Eheleute aufſuchte, eine milde Tröſterin den Weibern, ein Schrecken den Männern. Von da an datirte ſich auch ihre innige Freundſchaft für die Hofräthin.

Tante Eliſe kannte demnach die kleinen Zerwürfniſſe all' ihrer Bekannten, ſoweit die unglücklichen Weiber ſie ihren jung⸗ fräulichen Ohren preisgeben konnten, und indem ſie in das Getreibe des Eheſtandes hineinſah, vergrößerte ſich, wie ſie nämlich ſagte, der Abſcheu vor den Männern ins Fabelhafte, und ſo faßte ſte in ihrem vierunddreißigſten Jahre den unabänder⸗ lichen Entſchluß, nicht mehr zu heirathen.

Aber tugendhaft war Tante Eliſe, das mußte der Neid ihr nachſagen; es war eine Gott wohlgefällige, herrliche Jungfrau, und wenn in der Oper„Norma“ die Seherin ihre Arie anhob:

O keuſche Göttin! dann blickte ſte auf dem zweiten Range ſtolz umher, als wollte ſie ſagen:„Seht auf mich!“

Da kam das Schickſal an jenem denkwürdigen Ballabende und warf im Drange der Finſterniß und der Gefühle die Hono⸗ ratiorentochter an die Bruſt des Herrn Dubel, und der Herr Dubel, von dieſem Augenblicke profttirend, ſchloß ſeine Arme feſter als gerade nothwendig war, und einen ſolchen Druck nach dem aufregenden Tanze, in der Erſchütterung der Angſt, welche über die ganze Ballgeſellſchaft kam, vergißt ein Mädchen nicht leicht, eine alte Jungfer aber niemals! Tante Eliſe ſchwärmte für ihren Retter und malte ſich ihn mit den ſchönſten Farben aus, bis ſie erfuhr, daß dieſer Retter nur ein— Schneider ſei; das gab freilich eine Sonnenfinſterniß in ihrem Gemüthe, welcher