„ Ein Bürgerball und ſeine Folgen. 23
Summa betrachtete, ſo war Tante Eliſe eines von jenen Weſen, von denen man unmöglich glauben kann, daß ſie einſtens jung und niedlich geweſen ſind,— ein Gedanke, der uns ebenfalls beim Anblick eines Elephanten oder eines Kameels beſchleicht. Die ganze jetzt lebende Generation junger Leute kannte die Tante Eliſe nur, wie ſie jetzt war, und behauptete, ſte ſei immer ſo geweſen.
Der ſelige Oberregierungsrath Vater hatte die Erziehung dieſes einzigen Kindes geleitet, da die ſelige Oberregierungsräthin Mutter ſchon zu ihren Ahnen verſammelt wurde, als Eliſe noch ganz klein war. Der Vater war ſchon damals ein mürriſcher alter Mann, hatte ſpät geheirathet und haßte alle öffentlichen Vergnügungen, Theater, Bälle, junge Männer und Courmacherei. Daher kam es, daß ſich die beiden letzteren Artikel nicht oder nur ſehr ſchüchtern in die Höhle dieſes Drachen wagten und daß im Allgemeinen nur ſehr ſchwache Verſuche gemacht wurden, Tante Eliſe aus derſelben zu erlöſen. Gott! die Arme hatte ein äußerſt proſaiſches Leben geführt und fühlte dieß um ſo mehr, weil ſte viele verbotene Bücher las, wo das, was ihr fehlte, ſo ſchön und glühend beſchrieben wurde. Eine Zeit lang verzehrte ſie ſich im ſtillen Gram nach einem Gegenſtande ihrer allerreinſten Liebe, ſpäter nach einem Gegenſtande ihrer Liebe und dann blos noch nach einem Gegenſtande.
————— Ach vergebens!
Alle Freuden dieſes Lebens
Schwanden hin in ein verlornes Ach! ſang ſte mit dem unſterblichen Dichter und kam in einigen Jahren zu der feſten Ueberzeugung, daß das ganze Männergeſchlecht eine elende Räuberbande ſei, die durchaus nichts tauge und ſich nur auf der Welt befinde, um arme Mädchen unglücklich zu machen. Che ſie zu dieſer Erkenntniß kam, hatte ſie eine Ueber⸗
gangsperiode, in welcher ſie ſich aller verlaſſenen Geliebten, aller


