Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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Anna. 19

Sie faltete krampfhaft die Hände und ſank zu den Füßen des jungen Mannes auf ihre Knie nieder; ſie ſchien einen Augen⸗ blick leiſe zu beten, dann erhob ſie ſich raſch, ſtrich die Locken aus dem erhitzten Geſichte, nahm ſchweigend ihren Hut und reichte ihre Hand dem Freunde zum Abſchiede hin.

„Iſt es denn wahr, o Gott! iſt es wahr?“ rief dieſer leidenſchaftlich erregt, ſchloß das ſchlanke Mädchen ungeſtüm in ſeine Arme und drückte brennende Küſſe auf ihren Mund, während ſich ſeine Thränen mit den ihrigen vermiſchten. Einen Augenblick gab ſie ſeiner Umarmung nach, drückte ſich feſt an ſeine Bruſt und erwiderte Kuß um Kuß, gleich wild, gleich leidenſchaftlich; dann wand ſie ſich aus ſeinen Armen, nahm ſeine Hand und drückte ſie gegen ihr Herz und an ihre Lippen und eilte der Thür zu, während ſie ihm durch eine gebietende Bewegung befahl, zurück zu bleiben.

Sie glitt durch die Thüre in den Garten hinaus, eilte feſten Schrittes auf die Straße, und erſt, als das Gartenthor hinter ihr zufiel, ſchien das Mädchen zuſammenbrechen zu wollen und mußte ſich an der Mauer feſthalten. Sie ſtieß einen leiſen, aber entſetzlichen Weheruf aus und blickte verzweifelnd gen Himmel; ihr Auge war glänzend und glühend, wie das dunkle Blau da droben; der Himmel lächelte ruhig und freundlich auf ſie herab und ſchien es nicht zu wiſſen, nicht zu verſtehen, daß hier unten ein Geſchöpf im tiefen Seelenſchmerze faſt vergieng.

Der junge Muſiker lag nahe am Fenſter auf ſeinen Knieen, und als er ſich erhob, fielen die Strahlen der Sonne ſchräg in das Zimmer. Er war betrübt und legte häufig die Hand auf die Stirn, wobei er den Kopf ſchüttelte und zuweilen glaubte, das alles ſei nichts als ein böſer finſterer Traum geweſen, und doch fühlte er die Wahrheit des Erlebten in ſeinem zerriſſenen Herzen.— Wie hatte er das Mädchen geliebt, wie liebte er ſte mehr denn je!— Als er durch das Zimmer ſchritt, ſah er neben

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