18 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
Eine Liebe, wie die unſrige, iſt ein Band für das ganze Leben, ein Band, das nicht zerriſſen werden kann.“ „Iſt das wahr, Charles?“ entgegnete das Mädchen;„iſt das gewiß und wahrhaftig wahr, glaubſt du wirklich daran?“ „Du zweifelſt, Anna?“ entgegnete der Muſiker;„haſt du mir nicht daſſelbe zu meinem größten Entzücken ſelbſt geſagt,
und jetzt willſt du zweifeln?“
„Aber es gibt Verhältniſſe,“ ſagte das Mädchen mit laut⸗ loſer Stimme,„die mächtiger ſind, als unſer Wille; ja, mäch⸗ tiger, als unſere Liebe.“
„Nicht als die meinige!“ entgegnete der junge Mann mit feſter Stimme;„mag kommen, was da will, Anna, ich will es wenigſtens verſuchen, dich zu verdienen, und dieſer Verſuch muß gelingen!“
Abermals ſchauderte dag Mädchen zuſammen und barg ihr Geſicht in die Hände, und der junge Mann fuhr fort:
„Ich glaube ſo feſt an dich, daß, wenn du mir ſagſt: wir ſehen uns wieder! oder wenn du mir verſprichſt, mir bald eine Nachricht von dir zu geben, ich auch jetzt nicht forſchen will, wohin du gehſt und was dich von hier forttreibt; aber gib' mir nur die kleinſte Hoffnung, daß ich dich wieder ſehen werde, daß du einſtens die Meinige wirſt, ſo will ich ruhig fortarbeiten, will aufwärts ringen, bis ich hoch genug ſtehe, um ſagen zu können: Anna, die Welt ſieht mich, ſtehſt du mich auch?“
Das Mädchen ſchien vor Schmerz zu vergehen, ſie ſchüt⸗ telte leicht mit dem Kopf und ſagte:„ich glaube nicht, daß ich je die Deinige werden kann, ich fürchte Charles, daß wir auf immer getrennt werden; aber wir wollen hoffen! Ich ver⸗ ſpreche dir bald, ja recht bald, Nachricht von mir zu geben; Gott iſt barmherzig, warum ſollte er ſich nicht auch meiner erbarmen?“


