Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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10 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

Das ſoll mich freuen! ſagte der leichtſinnige, aber gute 7 junge Menſch;wenn ich Ihnen nur einen frohen Augenblick gemacht habe, iſt mir's genug. Aber Sie wollen mich ſchon verlaſſen? ſetzte er hinzu, als er ſah, wie ſich Anna aus ihrem 1 Fauteuil erhob und den Schleier über ihr Geſicht fallen ließ

wann werde ich Sie wiederſehen, Anna?

Ich weiß es nicht, Herr Graf; Sie ſehen, ich will ehr⸗ lich gegen Sie ſein, ich weiß wahrhaftig nicht, wann ich Sie wieder ſehen werde; aber bemerken Sie den heutigen Tag, Sie haben ein ſehr gutes Werk gethan! Dieſes Geld wird zu einem ſchönen und edlen Zwecke benützt.

Und das iſt Alles, was Sie mir heute ſagen? entgeg⸗ nete der Graf und ſtützte ſich auf den Fauteuil, den das Mäd⸗ chen eben verlaſſen; nnicht einmal ein Verſprechen geben Sie

1 6 1 mir, wann ich Sie wieder ſehen ſoll? N

Ich kann nicht, ſagte Anna und reichte ihm die Hand zum Abſchiede;glauben Sie aber, wir ſehen uns gewiß wieder. Nehmen Sie nochmals meinen herzlichſten und innigſten Dank für Ihre Güte leben Sie wohl!

Leben Sie wohl! ſagte der junge Mann und zog das

nicht widerſtrebende Mädchen leicht an ſich, alsdann drückte er einen Kuß auf den Schleier, der ihr Geſicht bedeckte, und als 4 er durch denſelben ihre Thränen fühlte, geleitete er ſte ehrfurchts⸗

. voll bis an die Thür.

Gleich darauf rollte unten ein Wagen fort, und der Graf,

der an das Fenſter getreten war, fuhr mit der Hand über das 1 Geſicht und ſagte zu ſich ſelber:dieſes ſchöne Mädchen iſt wahr⸗ haftig eines der ſonderbarſten Geſchöpfe, die ich je kennen gelernt, V und daß ich ſie einſtens kennen gelernt, iſt für mich eine der 8 V ſeligſten Erinnerungen! So gern ich aber auch ihre

Bitte erfüllte, muß ich doch geſtehen, daß fünfzig Louisd'or für