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Anna. 9 als ſie antwortete:„wer weiß, Herr Graf, vielleicht verſchwinde ich noch ſpurloſer, als bisher! das heißt, vielleicht, ja, wahr⸗ ſcheinlich werden Sie mich nie wieder ſehen; und daß ich Ihnen
das ſage und daß ich Ihnen darauf mit einer großen Bitte
läſtig falle, ſoll Ihnen beweiſen, wie gut ich von Ihnen denke, ja, wie ſehr freundlich ich ſtets Ihrer gedacht.“
„Schönſte Anna,“ ſagte der junge Mann entzückt,„Sie
haben eine Bitte? Sprechen Sie ſie aus, und wenn es mir
möglich iſt, ſte zu erfüllen, ſo ſoll es gewiß geſchehen! Wollen
Sie ein reizendes Appartement, eine kleine niedliche Equipage?
— befehlen Sie, ich will Alles thun, was Sie wünſchen—
ich bin ſo froh, Sie wieder zu ſehen!“
Das Mädchen ſchüttelte mit dem Kopfe und ſagte:„es
I wird mir ſchwer, meine Bitte auszuſprechen, aber ich gebe Ihnen
die heilige Verſtcherung, daß das, was ich von Ihnen wünſche,
nicht für mich iſt.“ „Sprechen Sie, Anna,“ entgegnete der Graf und küßte
die Stelle ihrer Hand, die zwiſchen Handſchuh und Kleid ſicht⸗ 3 bar war.
„Wohlan,“ ſagte das Mädchen und zog ihre Hand zurück; „ich brauche fünfzig Louisd'or———— nicht für mich,
Herr Graf, bei Gottes Barmherzigkeit, auf die ich hoffe, auf die wir ja alle hoffen müſſen, nicht für mich!“
„Liebes Kind,“ ſagte der Graf lachend,„ob Sie die Kleinigkeit für ſich brauchen oder für Jemand anders, iſt mir wahrhaftig gleichgültig; ich ſchätze mich nur glücklich, Ihnen dieſen unbedeutenden Dienſt leiſten zu können.“— Damit eilte er in ſein Schreibzimmer und holte eine kleine Rolle, die er in die Hand des Mädchens legte.
„Gott lohn' es Ihnen!“ ſagte ſie, und zwei große Thrä⸗ nen zitterten in ihren Augen,—„Gott lohn' es Ihnen, Herr Graf, Sie haben vielleicht das Glück eines Menſchen gemacht!“


