Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
„Das mag ſte halten wie ſte will,“ antwortete der Graf achſelzuckend,„aber in dem Falle heirathen wir ohne Ein⸗ willigung.“
„Das wollen wir ſehen!“ entgegnete die Schweſter und winkte zum Abſchiede leicht mit dem Kopfe, worauf der Bruder ſeinen Hut lüftete und nach Hauſe ritt, während er zwiſchen den Zähnen ſummte:
„Einſam wandelt dein Freund im Frühlingsgarten, Adelaide.“
An dem Thorweg ſeines Hauſes angekommen, wurde ihm derſelbe von einem Stallbuben geöffnet; er ſtieg gemächlich von ſeinem Pferde herunter und gieng in ſeine Zimmer, welche ſich im Parterreſtock des großen Hauſes befanden und mit dem größ⸗ ten Theil ihrer Fenſter auf einen großen und zierlich angelegten Garten giengen.
Der Graf Alfons war ein Blumenfreund, er hatte zur erſten Zeit des Frühjahrs die ſchönſten Camellien und pflegte ſte mit eigener Hand.
Während der Kammerdiener einen ſchweren Vorhang empor hob, unter welchem er in ein kleines Vorzimmer und dann in
ſeine Garderobe kam, die an's Schlafzimmer ſtieß, flüſterte ihm
der Diener leiſe zu: im Salon befinde ſich eine Dame, die ſchon ſeit länger als einer Viertelſtunde auf den Herrn Grafen warte.
„Wer iſt's, Friedrich, eine meiner Bekannten? Kennſt du ſte?“
„Der Herr Graf werden entſchuldigen, aber ich habe ſie,
glaube ich, noch nicht geſehen; ſie iſt groß, lcheint ziemlich ſchlank, aber dicht verſchleiert.“
„Sie kam zu Fuß?⸗
„Nein, Herr Graf, in einer Droſchke, die unten wartet.“
Der Graf gab Hut, Reitpeitſche und Handſchuhe in die Hände des Kammerdieners, fuhr mit der Hand leicht über das
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