Anna.
den Weg nach ſeinem Hauſe zu. In einer der Hauptſtraßen be⸗ merkte er den Wagen ſeiner Schweſter Clara und ſah ſte ſelbſt ausſteigen und die hohe Treppe eines Hauſes hinangehen, und da ſie oben auf dem Ruheplatz vor der Thür angekommen mit ihm zu Pferde nun in gleicher Höhe ſich befand, ſo ritt er näher, um ein paar Worte mit der Schweſter zu wechſeln.
„Wie geht's bei dir zu Hauſe?“ fragte der Bruder;„was macht dein Mann, hat er ausgeſchlafen? Tröſte ihn nur über ſeinen Verluſt im Whiſt geſtern Abend; ich habe ihn in der
Taſche und ſein Gold iſt ſomit in der Familie geblieben.“
7„Nichts Neues?“ fragte die Gräfin, die das Geſpräch über die Whiſtparthie vollſtändig überhörte.
„Gar nichts, mein Kind; wie kannſt du auch von mir Neuigkeiten verlangen? Du, die immer an der Quelle des Nieuen, des Schönen und alles Heiles ſitzt, zu den Füßen deiner
4 angebeteten Adelaide?
Die Gräfin machte ein verdrießliches Geſicht und ſagte: „laſſe doch deine ewigen ungenießbaren Späße, ſage mir lieber, ob du von dem Baron Karl etwas weißt.“
„Und wenn ich etwas wüßte, mein Kind?“ fragte lachend der Graf.
„So wäre ich begierig darauf, es zu hören,“ entgegnete die Schweſter.
„Nun, ſo viel kann, ich dir ſchon anvertrauen,“ antwor⸗ tete der Baron,„daß man wohl annehmen kann, daß er dem Aufenthaltsort des Fräuleins auf der Spur iſt.“
„Und wenn er ſie findet,“ ſagte die Gräfin mit hoher Miene und kaltem Tone,„ſo wird es ihm doch nichts nützen, ehe er nicht zurückkommt und die Verzeihung der Frau von C. er⸗ fleht; ſie allein hat das Schickſal Paulinen's zu beſtimmen und wird zu ſolch' einer improviſirten Heirath; wie ſte der Baron vor hat, nimmermehr ihre Einwilligung geben.“


