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Zweiundzwarzigſtes Kapitel.
Cirkeln einer geſellſchaftlichen Oppoſttion den Baron Karl, er mochte nun begangen haben, was er wolle, in Schutz zu neh⸗ men, und begann über den Abweſenden nur Gutes zu reden. Eigentlich wäre es auch ſchwer geweſen, ihm etwas Böſes, etwas Unxechtes oder nur Unliebenswürdiges nachzuſagen: er war ein vollendeter Geſellſchafter, ein excellenter Tänzer, ſtets gefällig und liebenswürdig, ſo wie aufopfernd bis zum Exceß für ſeine Freunde und Bekannten. Die Schaar der letz⸗ teren— eigentliche Freunde hatte er, wie jeder vernünftige Menſch, wenige— fühlten auch ſeine Abweſenheit recht ſchwer. Das kleine Haus vor der Stadt war und blieb verſchloſſen; aus dem Schornſtein der Küche ſchlängelte ſich kein Rauch mehr empor, und im Innern ward kein Diner mehr ſervirt, keine Spieltiſche aufgeſtellt; die nächſten Bekannten empfanden dieß um ſo ſchmerzlicher, und unter dieſen am allerſchmerzlichſten der Graf Alfons, welcher, ohne ſich durch großen Verſtand oder ſonſt etwas auszuzeichnen, mit dem Baron ſehr liürt war, weil er, wie man im gewöhnlichen Leben ſagt, ein guter Kerl war. Der Graf hatte ſo eben einen Spazierritt beendigt, er hatte eine Promenade um die Stadt herum gemacht und ließ ſeinem großen engliſchen Pferde den Zügel, als er jetzt bei dem kleinen Hauſe ſeines Freundes vorbei kam, und ſtemmte den Arm in die Seite, um mit mehr Muſe, und, wie er ſich ſelbſt weiß machte, gedankenvoll nach dem Fenſter hinauf zu ſchauen. Da war aber Alles öde und leer und nichts Lebendiges zu ſehen und zu hören als der große Hofhund, der ſeinen Kopf auf die Vordertatzen
gelegt hatte und leiſe heulte, als er einen eleganten Reiter vor⸗
bei kommen ſah, der nicht ſein Herr war.
Nachdem ſich der Graf einige Sekunden lang mit dem Ge⸗ danken gequält, wo der verfluchte Kerl wohl ſein könne, ob er das Mädchen gefunden habe oder finden werde, nahm er die Zügel wieder in die Hand und verfolgte in ſchnellerer Gangart


