Zweinndzwanzigſtes Kapitel.
Anna.
Man kann ſich leicht denken, daß die plötzliche Abreiſe
des Barons Karl noch zu weit mehr Gerede und Vermuthungen
Anlaß gab, als ſeine Ungnade bei Hofe. Die, welche den Grund derſelben wußten, bedauerten ihn von Herzen, und wenn auch Keiner den Muth hatte, die allgewaltige Hofdame direkt ihr Unrecht einigermaßen fühlen zu laſſen, ſo konnten doch Manche nicht umhin, ihre indirekten Bemerkungen ſo laut und deutlich zu machen, daß ſte der Frau von C. zu Ohren kommen mußten und ihr nothwendig ſagten, wie man in der Geſellſchaft über ſie dachte.
Von dem Hoffräulein hatte Niemand mit ihr geſprochen, ſeit ſte in den erſten Tagen nach deren Abreiſe auf dergleichen Fragen die kurze Antwort gab: ſie ſei zu Verwandten gereist. In der Gunſt der alten und der jungen Herzogin ſtand die Hof⸗ dame feſter als je. Da ſie es nicht verſchmähte, hie und da eine Andere ihre Macht fühlen zu laſſen, ſo war ſie wohl ge⸗
fürchtet, aber nicht geſucht, und man fieng ſchon an, in den 5 14


