332 Einundzwanzigſtes Kapitel.
Euch und mich, ein kleines, armes, unſchuldiges Kind, mit den Füßen von ſich ſtieß; denn er ſagte— was ſagte er doch, daß ich ſei?— wißt Ihr's noch? ich habe es nicht vergeſſen— ich ſei ein Baſtard, ſagte er, ein Kukuksei!— o Mutter! von da an, obgleich ich nicht wußte, was er damit meinte, hatte ich ſogar an dem grünen Walde keine Freude mehr, wie die übrigen Kinder, und wenn der Kukuk ſchrie, ſo abin ich 2. die. l zu Haus und ſchauderte.“
Die Frau ſaß da, ohne eine Sylbe zu antworten, ohne
einen Blick auf die Tochter zu werfen, den Kopf in die Hände
vergraben und ſeufzte und ſtöhnte nur zuweilen tief auf.
„Ich habe Euch das noch nie geſagt, Mutter,“ fuhr das Mädchen fort,„und ich thue es auch nur wegen der heutigen Nacht und⸗Egen der Zukunft; aber Ihr ſollt Alles hören! Freilich mißhandelte uns der Vater, Euch und mich, freilich wur⸗ den wir eine Bettler⸗Familie, freilich ſuchte und fand er ſeinen Tod in dem Fluſſe, aber wer, Frau, hat ihn dazu gebracht?— ich will es Euch ſagen— Ihr ſelbſt!“
Bei dieſen Worten fuhr die Frau gewaltſam in die Höhe und ſtarrte ihre Tochter mit einem ſchrecklichen Blicke an; das Müädchen aber erhob ſich ruhig und gab der Mutter Blick um Blick zurück.
„Wer hat dir das geſagt?“ brachte die Frau endlich müh⸗
ſam hervor,„wer hat dir das geſagt?“ „Iſt es vielleicht nicht wahr?“ entgegnete ruhig das Mäd⸗ chen,„bin ich vielleicht kein Baſtard— was?“
Die Frau fiel auf ihren Stuhl zurück, ohne eine Antwort zu geben, und die Tochter fuhr fort:
„Wie geſagt, das iſt Alles vorbei, und alle Klagen, alle Verwünſchungen beſſern uns beide nicht; doch Mutter, ich be⸗
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