Einundzwanzigſtes Ropifel
„Durch meinen Trotz und meine unbaggfämtete⸗ ſagte das Mädchen krampfhaft lachend;„bin ich gegen Euch rotzig geweſen? habt Ihr mich nicht unter Euren Wilen gebeugt, tief gebeugt, entſetzlich tief gebeugt?! und als ich Euren Willen that und mich herims ließ— o, ſo tief!— habt Ihr mir nicht
nie zu nah' kommen dürfe? habt Ihr das nicht gethan?“
„Allerdings!“ ſagte die Frau ſeufzend;„aber was thut die Armuth nicht? habe ich unſer Verhältniß anders machen können, habe ich nicht ſeine Hülfe annehmen müſſen?“
„Nein, bei Gott!“ rief das Mädchen,„das hältet Ihr nicht gebraucht, das hättet Ihr nie nöthig gehabt, wenn Ihr anders n handeln wollen! Warum haben wir bisher nicht gearbeited? Kerdu habt Ihr mich nichts lernen laſſen— als mich anziehen und Guitarre ſpielen?“ ſetzte ſte ſchrecklich lachend hinzu; „warum nicht?— ich will es Euch ſagen,“ fuhr ſie flüſternd fort:„weil Ihr nicht arbeiten wollt und weil Ihr geſehen, wie ich trotz Elend und Kummer geſund und kräftig heranwuchs, wie ich— ja, ich kann es Euch bg— ein ſchönes Mädchen wurde.“
Die Mutter barg das Geſticht in ihre Hände und das Mäd⸗ chen fuhr fort:
„Geſchehene Dinge, Mutter, ſind nicht wohl zu ändern; ich will Euch auch nicht fluchen, denn wenn mein Mund gegen Euch harte, zornige Worte ſprechen will, ſo dränge ich ſte ge⸗ waltſam zurück; denn, Mutter, wenn ich einmal anfangen wollte, Euch zu ſagen, wie es mir hier in meinem Herzen zu Muthe iſt, dann ſolltet Ihr entſetzliche Sachen hören!———— Wie geſagt, vergangen iſt vergangen; ich blicke nur ſelten rückwärts und möchte gern vorwärts ſehen, aber ich kann nicht, bei Gott! ich kann nicht; nur das möchte ich Euch tauſend Mal wieder⸗
das Verſprechen gegeben, daß jener ſchändliche, ſchlechte Kerl mir


