Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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326 Einundzwanzigſtes Kapitel.

Mädchen, welches mit ihrem ſtolzen Blick und herriſchen Weſen ſo gar nicht in dieſe Armſeligkeit paßte; die blonden, reichen Haare hiengen aufgelöst um ihren Kopf und fielen über ihr er⸗ hitztes Geſicht, erhitzt von Zorn und Scham; von Scham, daß ſie gezwungen war, ſich vor dem Menſchen, den ſie vor allen anderen grimmig haßte, ſo wie ſie war, zeigen zu müſſen. Ihr dunkelblaues Auge blitzte, während ſie die ſchlechte geflickte Decke ihres Bettes ſo hoch als möglich empor zog und während ſie heftig ſagte:und das könnt Ihr leiden, Mutter, daß Der in mein Schlafzimmer kommt?

Die Frau zuckte mit den Achſeln und der Steinmann ſagte entſchuldigend: nes iſt nicht anders, ich muß meine Pflicht thun. 4

Das Maͤdchen drehte ihr Geſicht nach der Wand und gab keine Antwort auf die Frage des Polizeiſoldaten, ob ſie nichts Verdächtiges gehört oder geſehen, worauf die beiden Eingetre⸗ tenen das Gemach wieder verließen und der Steinmann die Thüre ſorgfältig hinter ſich zuzog. Als ſie im vorderen Zimmer allein waren, ſagte er mit leiſer, gepreßter Stimme, während er mit flammendem Auge rückwärts nach der Thüre ſah:'s bleibt dabei, Frau Müller, ich habe die Geſchichte jetzt ſatt und will ernten, wo ich ſo viel geſäet! So wie da vorn im Hauſe Alles ruhig iſt, komme ich wieder, laßt mir die Thüre offen.

Die Frau preßte ihre Hände in ſichtlicher Angſt zuſammen und ſagte:Aber, Herr Steinmann, das geht wahrhaftig nicht, es iſt rein unmöglich.

Was unmöglich? entgegnete er und ein böſer Blick blitzte aus ſeinem Auge;ich werde das Unmögliche ſchon möglich machen, dafür laßt mich ſorgen! Habt Ihr mir nicht ſchon ſeit längerer Zeit alle Verſprechungen gemacht? warum thut Ihr nicht das Eurige und ſorgt nicht, daß Ihr das, was