316 Einundzwanzigſtes Kapitel.
ſuchung geben, und wenn der Steinmann in dem Falle das un⸗ ſchuldige Mädchen nicht in ihrem Bette fände, nun, nun, da wüßtet Ihr ſelbſt, was es geſchlagen hat.“
„Freilich,“ entgegnete Madame Müller,„das wäre ſchlimm,
ſehr ſchlimm! Bleibt Ihr unterdeſſen hier, ich will ſie holen; dort im Wandſchrank ſteht ein Krug Wein, auch was zu eſſen dabei, und das Tau werdet Ihr wohl mitgebracht haben?“
„Allerdings,“ ſagte der Andere lachend, vich gehe nie aus, ohne meinen Strick bei mir zu führen; macht aber jetzt, daß Ihr fortkommt.“
Madame Müller nahm ein Tuch von der Wand, ſchlug es über die Schultern und verließ leiſe das Haus. Der junge Menſch aber holte aus dem Wandſchrank den Krug Wein und was er zu eſſen vorfand, und während er ſoupirte, zog er ſeinen Frack aus und brachte einen feſtgedrehten ſoliden Strick zum Vorſchein, den er unter dem Hemde vielfach um den bloßen Leib gewickelt hatte und der von anſehnlicher Länge war. Dann zog er ſeine Stiefeln aus, nahm aus der Hoſentaſche einen kleinen Bindfaden, den er abwickelte und durch eine zerbrochene Scheibe des Glasfenſters in den Hof rollen ließ; ſodann ſtieg er die Treppe hinab, ſchlich auf dem Hofe unter der Gallerie bis an das vordere Haus und ſpähte da nach einem ſtarken, eiſernen Hacken, an dem früher in der Höhe der Gallerie Brandleitern aufgehängt waren. Richtig! dort war der Hacken; er nahm den Strick doppelt und warf die auf ſolche Art entſtandene Schlinge nach einigen fehlgeſchlagenen Verſuchen in den Hacken, ſo daß ſie hangen blieb, band die beiden anderen Enden des Strickes an den Bindfaden feſt, der auf dem Boden lag, ſchlich die Treppen hinauf, leitete den Strick durch die Glasthür in's Zimmer, zog ihn ſo ſtraff als möglich an und befeſtigte ihn Ran dem Steine, worauf der Ofen ſtand. Als er damit fertig
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