Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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4 308 Einundzwanzigſtes Kapitel.

die Einwohner des Haupthauſes ausgeſprochen; denn ihnen war dieſe Verbindung zwiſchen ihren Zimmern und denen der Ma⸗ dame Müller durchaus nicht angenehm; es waren im Haupt⸗ hauſe ſchon einigemal allerlei verdächtige Geſchichten paſſirt: Thü⸗ ren wurden erbrochen, Kleidungsſtücke verſchwanden und derglei⸗ chen mehr, überhaupt waren Sachen vorgefallen, zu deren Mit⸗ wiſſenſchaft man die Madame Müller im Hinterhauſe wohl für fähig hielt. Man hätte auch ein ſchärferes Auge auf ſie gehabt; doch gelang es den eifrigen Bemühungen des vortrefflichen Stadt⸗ ſoldaten Steinmann jedesmal, einen wenn auch geringen Theil der im Haupthauſe geſtohlenen Effekten, aber in ganz anderen Gegenden der Stadt, zu entdecken, wodurch natürlicher Weiſe die Eigenthümer wegen des Verdachtes, welchen ſie auf Madame Müller geworfen, dieſe arme gekränkte Frau in ihrem Innern ſtets um Verzeihung baten. Aus dieſem Grunde, und weil ein Bauverſtändiger erklärt hatte, daß das alte morſche Gerüſt zwiſchen beiden Häuſern nicht im Stande ſei, einen er⸗ wachſenen Menſchen zu tragen, wurde es nicht weggeriſſen, der Ausſpruch des Bauverſtändigen dagegen mit leſerlicher Schrift als Warnung auf dem Gerüſte ſelbſt bemerkt.

Es war bereits Abend geworden, als der Stadtſoldat Steinmann, welcher, nachdem er die Weinſtube im Refektorium des Kloſters verlaſſen, noch einige dienſtliche Geſchäfte beſorgt hatte und abermals durch den Stadtgraben gieng, und, als er an dem Hauſe der Kiliane vorbei kam, beifällig hinauf blin⸗ zelte; dann gieng er ſeines Weges durch die Straßen, eine ein⸗ äugige Nemeſis, ein Engel der Gerechtigkeit, hier leiſe warnend, dort ſtrafend; an dieſem Platze jagte er wohlgekleidete Buben, die ein verbotenes Spiel trieben, mit einem entſetzlichen Fratzen⸗ ggeſicht nach Hauſe, an einer andern Stelle, wo er eine Schaar Bettelhuben bei derſelben Beſchäftigung fand, fuchtelte er ſie