Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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Thauwetter und Frühlings-Anfang.

jubelnd den jungen Baum umſtanden, jetzt ebenfalls größten⸗ theils unter dem Raſen lagen, oder wie die, welche noch übrig waren, das graue Haupt gebückt, einhergiengen. Niemand, ſo dachte die alte Büglerin, ſei ſich gleich geblieben wie ſie und der friſche geſunde Baum da unten. Sie hatte nicht gealtert, denn das war ſo allmählig gekommen, daß ſie es gar nicht ge⸗ merkt, und wenn ſie in dieſem Augenblicke die Augen ſchloß

und ſich die alte Zeit zurücggief und auf der Straße die Buben

ſchreien hörte, ſo meinte ſie, es ſeien dieſelben kleinen Knirpſe, die damals um den Baum ſtanden; denn ſie erinnerte ſich deut⸗ lich des Anzuges eines jeden derſelben und ſah heute noch, wie ſte damals luſtig um den Baum herum tanzten, nachdem er geſetzt war.

Die alte Kiliane war aber auch ein liebenswürdiges, gut erhaltenes Bild hohen Alters, und wie ſie ſo daſaß mit ihrem weißen Haar, neben ſich die kleine Marie, die artige Tänzerin mit den langen, ſchwarzen Locken, ſo bildeten die Beiden ein Gemälde von Jugend und Alter, wie man nichts Schöneres ſehen kann.

Die Kleine war ganz glücklich und freute ſich zu Hauſe unbeſchreiblich auf den Moment, wo ſie ihre Schularbeiten be⸗ endigt hatte und alsdann ihre Tanzerercition vom Morgen wie⸗ derholen durfte. Frau Welſcher, die ſich über die außerordent⸗ lich guten Zeugniſſe freute, welche die kleine Tänzerin jede Woche von Signor Benetti nach Hauſe brachte, hatte ihr an der Wand eine lange Stange befeſtigen laſſen, wie ſie im Balletſaale war, und da ſtand ſie nun Stunden lang und machte ihre Fuß⸗ und Körperübungen. In dieſen Beſtrebungen wurde ſie nachgeahmt und unterſtützt durch die Familie Welſcher, namentlich durch den Herrn Welſcher, welcher ſich die erſtaunlichſte Mühe gab, ſeinen

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