28 Prittes Kapitel.
noch einen Augenblick und ſagte darauf zur Winklere:„Komm' Sie, Frau, wir wollen zu dem armen Kinde gehen, ich will es 4* heute Nacht zu mir nehmen, und morgen wollen wir ſehen, was weiter zu machen iſt.“ Die arme Lampenanzünderin, welche über dieſen Entſchluß m höchlich erfreut war, verſicherte wiederholt, Gottes Segen werde ſolch' einem edlen Werke nicht fehlen, und ſo giengen die beiden Frauen dahin durch den Stadtgraben bis an's Ende der andern Straße, wo ſie vor einem kleinen, unſcheinbaren und höchſt irm⸗ 1 lich ausſehenden Hauſe ſtehen blieben; die Winklere deutete mit dem Finger auf ein Fenſter im untern Stock, das gänzlich finſter da lag und ſo niedrig am Boden, daß man daraus abnehmen konnte, das Zimmer, zu welchem dieſes Fenſter gehöre, müſſe mehrere Fuß unter dem Boden liegen; das erſte Stockwerk dieſes Hauſes war, wie es bei alten Gebäuden oft der Fall iſt, über das untere hinausgebaut, und dann kam eine zweite, dritte und vierte Etage, und in allen brannte Licht, ſogar in dem einzigen Giebelfenſter, zu welchem die ſchneidenden Töne einer Violine in. die Nacht hinausſeufzten; nur unten war's finſter!— Vor dieſem Hauſe b
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efand ſich eine Straßenlaterne, und die Winklere öffnete den kleinen Kaſten und ließ ſie herab, dann zündete ſte das Licht in derſelben an, mehr zu ſich ſelber, als zu der Waſchfrau ſprechend:„Ach, dieſe Laterne habe ich immer am liebſten angeſteckt, ein Licht konnten wir bei aller Sparſamkei
für die arme Perſon da drinnen nicht herausſchlagen, und nuß wußt' ich wohl, wie ſehr ſie ſich in ihrem dunklen Zimmer freute, „ wenn ſie mich endlich kommen hörte, ſie und das Kind, und wenn ſie in einem leichten Schlummer lag, dann wachte ſie gern auf bei dem Raſſeln der alten Laterne und verſicherte, es ſei ihr ordentlich, als erwärme ſich die Stube, wenn die Lichtſtrahlen hineinfielen. Sie fielen gerade auf ihr Bett, und wenn Sie durch das Fenſter ſchauen wollten, Frau Welſcher, ſo könnten Sie die arme, todte Perſon in ihrem Bette liegen ſehen.——
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