Unter dem Stadtgraben. 25
„Ja, und vor der ganzen Stadt, die Euch kennt,“ ſagte die Frau, und die beiden Dienſtmädchen ſetzten laut genug hinzu: „der widerwärtige, häßliche Kerl!“
Der Stadtſoldat wollte alles Ernſtes böſe werden, doch war er klug genug, ſich zu beſinnen, daß er in einem Viertel ſei⸗ dem nicht zu trauen, und daß es nur Ein Wort von der Frau, die vor ihm ſtand, bedürfe, um ihm den nächſten Beſuch unter dem Stadtgraben ſehr unangenehm zu machen; auch ſtanden die beiden handfeſden Mädchen der Waſchfrau ſo herausfordernd da, ja, ſie faßten ſchon an ihren ſchweren Körben, um ſie auf den Boden zu ſetzen, was ganz wie eine Vorbereitung zum Kampfe ausſah, wie ein:„Macht Euch fertig!“— um bei dem geringſten beleidi⸗ genden Worte, das er gegen ihre Frau und Meiſterin ausſtoßen würde, über ihn herfallen zu können, daß er es für beſſer hielt, unter verſchiedenartigen Drohungen für die Zukunft mit ſeiner Laterne den Heimweg anzutreten.
Auch die Weiber verabſchiedeten ſich von der Frau Welſcher und gingen ſtill ſeufzend ihres Weges. Anfänglich wankten die
Laternen auf Einem Punkte durch das Gewölbe bis zum Aus⸗ gange, die ärmlichen Schuhe ſchlurften auf dem Pflaſter, die Oel⸗ maße klapperten, hier und da huſtete Eine ſchwer auf, und als die Weiber von dem noch heftig ſtrömenden Regen auf's Neue
durchnäßt wurden, ſagten ſte einander wehmüthig gute Nacht und giengen nach allen Richtungen auseinander.
Noch lange ſah man die kleinen rothen Lichter in den Straßen umher irren, hörte die ſchweren Seile der Straßen⸗Laternen nie⸗ derraſſeln und ſah manch' blaſſes, eingefallenes Geſicht, wie
es ſich bemühte, den halb durchnäßten Docht in dem gläſernen Behäuſe anzuzünden. Droben aber, in den Fenſtern der Häuſer, wurden ebenfalls
Lichter angezündet, und manch, frohes Kindergeſicht drückte in dem behaglichen, warmen Zimmer die Naſe platt an das ange⸗ laufene Fenſter und konnte nicht begreifen, was die Frau an ihrer—


