Drittes Kapitel.
Unter dem Stadtgraben.
Die Frau, welche bei dem großen Jammer der Lampen⸗ anzünderinnen plötzlich erſchien und vor denſelben ihren feſten, aber eiligen Schritt anhielt, war die ehrſame Wittwe eines könig⸗ lichen Hofkutſchers, der in ſeinen beſten Jahren das Zeitliche ge⸗ ſegnet und die Frau mit drei kleinen Kindern zurückgelaſſen hatte⸗
Da die Beſoldung des Kutſchers von jeher nicht groß zu nennen war, auch derſelbe bei dem ſtundenlangen Sitzen auf dem Bockann er bei Bällen, Concerten und dergleichen in bitter⸗ kalter Nacht auf ſeine Herrſchaft zu warten hatte, von dieſer kleinen Beſoldung ein Erkleckliches verwenden mußte, um ſich Behufs innerer Erwärmung etwas Geiſtiges anzuſchaffen, ſo kann man ſich leicht einbilden, daß der Frau von den Ueberbleib⸗ ſeln des Gehaltes nicht viel zu gute kam, weßhalb ſie ein einträg⸗ liches Geſchäft, das ſie von ihrer Mutter überkommen, ſorgſam
beibehielt und möglichſt ausdehnte. Dieſes Geſchäft beſtand in dem Beſorgen der Wäſche für die Geſandtſchaften und andere große Häuſer der Stadt..
Frau Welſcher hatte ihren Mann, den Hofkutſcher, eigent⸗
lich nur zum Staat geheirathet, und es ließ ſich auch in den erſten


