Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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2o Zweites Kapitel.

fuhren mit dem Schurzzipfel an die Augen und meinten, es ſei gar nicht möglich, daß man ihnen ſo plötzlich und über Nacht ihr bißchen Brod nehmen könne.

Es war in dem engen Durchgang ein Klagen und Lamen⸗ tiren, daß es einen Stein hätte erbarmen können; aber je mehr die armen Weiber wehklagten und weinten, um ſo inniger freute ſich Herr Steinmann; auch ſchien es ihm durchaus nicht wehe zu thun, wenn mitunter ſehr harte Aeußerungen gegen ſeine eigene Perſon fielen, ja er nahm ganz ruhig und lächelnd eine neue Priſe, als der Jammer der Weiber in offene Rebellion auszubre⸗ chen drohte, indem die Hartnäckigſten erklärten, wenn man ſie ſo ſchonungslos fortjage, ſo würden ſie auch heute ſchon keinen Dienſt mehr thun, und der Teufel möge die Stadt beleuchten wie er wolle, und ihnen ſei es gleich, wenn dies ſogar durch eine große Feuersbrunſt geſchehe.

Der Stadtſoldat ſtand, wie geſagt, in dieſem Lärmen ruhig

und lächelnd da, als wenn ihn das alles durchaus nichts angienge, und nur wenn eines der Weiber in ihrer Aufregung etwas zu nahe auf ihn zutrat, wandte er ſich um und ſcheuchte ſie mit einer furchtbaren Grimaſſe weit zurück; ihn ſchien dieſes Geſchrei außer⸗ ordentlich zu amuſtren, und anſtatt, daß er ſich Mühe gab, den Sturm zu beſchwichtigen, vermehrte er ihn vielmehr noch durch ſeine Bemerkungen.

Dankt Gott, ſagte er lachend,daß der ſcheußliche Hunde⸗ dienſt ein Ende hat! Habt Ihr nicht alleſammt oft bedauert, daß Ihr Euch je zum Geſchäft des Lampenanzündens hergegeben, was? he? Habt Ihr nicht immer Euch verſchworen und Euch ſelbſt Eſel genannt, daß Ihr je dieſes Geſchäft übernommen? Jetzt ſeid Ihr's ja los, dankt Eurem Heiland auf den Knieen dafür, dankt dem Steinmann, jetzt macht daß Ihr fortkommt, oder...

Das einzige Auge des Stadtſoldaten begann vor innerer Luſt und Bosheit zu funkeln, und er ſtreckte den gebieteriſchen Arm nach dem Eingange aus.