Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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Unter dem Stadtgraben. 19

Seiten des Austheilers mit einem bösartigen Blinzeln ſeines einzigen Auges; er bemerkte wohl, daß die Weiber beſchloſſen hatten, keine Unterhaltung anzuknüpfen, und es verurſachte ihm deßhalb die größte Freude, durch ein einziges Wort im Stande zu ſein, ihre Zungen auf's Feindſeligſte zu entfeſſeln.

Während die Weiber ihre Oelgefäße ſchloſſen und jede ihre Laterne anzündete, zog der Stadtſoldat eine Schnupftabacks⸗ doſe aus Birkenrinde hervor und nahm bedächtig eine Priſe und verſtcherte, wie leid es ihm thäte, daß er durch die neue Gasbe⸗ leuchtung gezwungen ſei, bald für immer eine ſo angenehme Unterhaltung, wie ihm die Oelaustheilung gewähre, verlieren zu müſſen. 85

Die Winklere ſchloß mit einem ſtillen Seufzer ihre Laterne, die übrigen Weiber rafften ſich entſchloſſen von ihrem Steinſitze auf, um davon zu gehen.

Von morgen an, ſagte der Stadtſoldat ſehr bedächtig und langſam, indem er eine zweite Priſe nahm,braucht nur die Hälfte hieher zu kommen, um Oel zu faſſen! und bei dieſen Worten verzerrte ſich ſein Geſicht zu einem ſcheußlichen

Lachen, als er bemerkte, wie auf dieſe Neuigkeit hin die Weiber

plötzlich Halt machten und ihn ängſtlich und erwartungsvoll anſahen. 8

Ja, ja, von morgen an nur noch die Hälfte, fuhr er fort und klappte den Deckel auf ſeine Doſe;wir haben die Gasbeleuch⸗ tungs⸗Geſellſchaft unabläßig angetrieben, und obgleich ſie erſt im nächſten Monat anfangen wollte, ſo werden doch ſchon, Dank unſern Bemühungen, in dem dritten, ſechsten und achten Stadt⸗ viertel die Gaslaternen morgen Abend angezündet werden kön⸗

nen; die betreffenden Frauen ſind deßhalb von heute an ſchon

entlaſſen.

Ankündiguug hin ein wahrer Strom von Worten, Klagen, ja

Schmähungen los; manche Weiber ſetzten ihre Laternen hin,

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Wie der Steinmann vorausgeſehen hatte, ſo brach auf dieſe

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