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ZBweites Kapitel.*
ſie ihr Oel erhielten und an die Arbeit gehen konnten, mit allerlei Bemerkungen über ihr ſauer verdientes geringes Brod, wobei ſie gewöhnlich verſicherten, daß das Amt einer Laternen⸗Anzünderin eine langſame Art von Hungertod ſei. Doch hatten ſich dieſe Anſichten der armen Weiber ſeit einiger Zeit bedeutend geändert, und wenn wir vorhin von unterſchiedlichen Seufzern ſprachen, ſo waren ſte nicht vom ſchweren Amte erpreßt, ſondern galten einer neuen Einrichtung, die ſie mit dem Verluſte ihres Kmerbs be⸗ drohte— der Gasbeleuchtung nämlich.
Ein neuer heftiger Windſtoß, der durch das Gewölbe heulte und vor der Oeffnung deſſelben die kleine Laterne an dem breiten Graben auslöſchte, brachte die Zungen der Laternen⸗Anzünderinnen auf einmal in Bewegung.
„Geh' Sie doch hin, Winklere!“ ſagte eines der Weiber, „und zünd' Sie die Laterne wieder an; nicht wahr Sie thut's mit Ihrem guten Gemüth? Mir wär's dort finſter genug, und wenn's in der Finſterniß ein paar zerbrochene Beine gäbe, welche die Gaſſenlicht⸗Herren zu bezahlen hätten, thät' mich's auch freuen.“
„Natürlich werd' ich's wieder anzünden,“ entgegnete die
Angeredete, indem ſie gewaltig huſtete und ſich zugleich erhob.
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zwar eine kleine buckelige Perſon, welche die brennende Laterne vom Boden aufhob und damit dem Eingange zuſchritt.
„Gebt nur Acht,“ fuhr die andere Stimme fort„die Wink⸗ lere weiß ſchon, warum ſie beſorgt iſt, die ſchleicht ſich ſchon wieder
ain ein Aemtchen hinein, die wird ſchon wieder angeſtellt, und
wenn ſie ſie auch nur als Wetterher auf das Dach ſetzen.“ 2
„Habt Ihr denn eigentlich eine Idee davon,“ ſagte eine andere Stimme,„was das mit bem C Gaſſenlicht eigentlich ſagen mwill, und warum wir unſern Dienſt deßhalb verlieren müſſen?
Laternen müſſen ſie nun doch einmal haben, und die Laternen muß auch ein Chriſtenmenſch putzen And muß ihnen Oel geben, das liegt auf der Hand; aber ich weiß ſchon, wir ſollen abgeſchafft werden, denn die Herren vom Stadtrath werden ſchon andere


