Erſtes Kapitel.
mit hölzernen Schwertern und eben ſolchen Spießen tapfer und heldenmäßig auf derſelben Stelle, wo ihre Vorfahren in alter Zeit das Gleiche gethan. Die Kinder äfften den Lauf der Zeit vollkommen nach, und als wegen allzuviel zerſchlagener Naſen und blauer Augen, nicht zu gedenken der zerriſſenen Hoſen und Jacken, das Kampfſpiel verboten wurde, ſo beſchloß die ganze Verſammlung das Kloſterleben wieder erſtehen zu laſſen und als⸗ bald tönten in dem Stadtgraben geiſtliche Geſänge, der weibliche Theil der Schule wurde ſtreng abgeſondert, und feierlichen Schrittes zogen die Buben in Proceſſton unter dem Steingerölle dahin. Dieſe harmloſen Spiele aber ſollten ein blutiges Ende nehmen; nicht als ob eines der Kinder einmal bedeutenden Schaden genom⸗ men hätte, ſondern der Magiſtrat beſchloß in ſeiner Weisheit, den alten Stadtgraben zur Richtſtätte umzuwandeln, und hier wurde nun eine Reihe von Jahren geköpft und geſtäupt und alle mög⸗ lichen Strafen ausgeführt, die das Gericht für gut fand, den Verbrechern aufzulegen, ohne daß die Menſchheit durch die vielen Beiſpiele im Geringſten gebeſſert worden wäre. Doch war der Platz von da an geflohen und gemieden, und man erzählte ſich unter der Hand an langen Winterabenden von ſchrecklichen und unerhörten Spuckgeſtalten, welche in dem alten Stadtgraben ſichtbar wurden und die umher Wohnenden ängſtigten. Bald wollte man die alten, längſt vermoderten Kämpfer der Stadt geſehen haben, wie ſie den letzten Geköpften voll Abſcheu, daß das unreine Blut ſich mit dem ihrigen vermiſche, über die Mauer entfernt hätten; bald habe ſich, ſo ſagte man, zur Nachtzeit die kleine vermauerte Thür des Kloſters geöffnet, und die Mönche ſeien paarweiſe er⸗ ſchienen mit feierlichem Schritt und h nit traurigem Geſang den Graben durchſchritten, wehklagend, daß die heilige Stelle ent⸗ weiht ſei. Obgleich nun, wie es bei allen Geſpenſtergeſchichten geht, nie Einer behauptete, er habe dies und das mit ſeinen eige⸗ nen Augen ge eſehen, ſo wurde doch, namentlich in der Dunkelheit, der alte Stadtgraben von Niemand gerne beſucht, und ma


