Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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Unter dem Stadtgraben. 2 8

an dem Stadtgraben mit den Steinen der Mauer ein Kloſter, und fromme Kapuziner machten ihn zu ihrem Garten und pflanzten da in ſtiller Beſchaulichkeit ihren Kohl. Auch verſäumten ſie nicht, wo bei dem Aufgraben des Grundes Lanzenſpitzen, Schwerter⸗ klingen, Pickelhauben und Menſchenknochen in größerer Anzahl zum Vorſchein kamen, ein Kreuz zu errichten, um, indem ſte auf dieſe Art die Gefallenen ehrten, ihren Garten ſelbſt gegen die Angriffe der Stadtbehörde ſicher zu ſtellen.

So lag der Kloſtergarten lange Zeit in einem ſtillen Grunde mitten in der Stadt, rings herum hatten die Mönche tüchtige Mauern aufgeführt, um die Blicke der Neugierigen abzuhalten, ſie hatten Bäume gepflanzt, Waſſer hergeleitet und lebten da unten fromm und gottgefällig.

Da aber in dieſer Welt nichts von Dauer iſt, ſo hörte auch das Kloſter an einem ſchönen Tage auf, ein Kloſter zu ſein, Lie Mönche verſchwanden, die kleine Thür, die aus dem Gebäude in den Stadtgraben führte, wurde zugemauert, der Garten ver⸗ wilderte, die Waſſer hörten auf zu laufen, und die Bubenſchaar beluſtigte ſich lange Zeit damit, die Mauern abzubrechen und lang⸗ ſam in den Graben hinabrollen zu laſſen; denn der Magiſtrat war noch nicht mit ſich darüber einig, was mit dem alfen Stadt⸗ graben zu beginnen ſei. Endlich beſchloß man, denſelben aufzu⸗ füllen, und that von Rechts wegen, was die Knaben der Stadt unbefugter Weiſe angefangen: die Mauern wurden hinabgewor⸗ fen, der Stadtgraben an beiden Seiten geöffnet und zum Durchgang in zwei Straßen gebraucht, die bis jetzt keine Verbindung hatten. Das Kapuziner⸗Kloſter vermiethete man an eine Menge ärmerer Familien, von denen eitehrte Anzahl in dem großen weitläufigen Gebäude Platz fand; des Gartens bemächtigten ſich die Kinder der Stadt zu einem außerordentlich gut gelegenen Spielplatze, und hier geſchah alles das, was die Jugend in ihrem lebensfrohen Ueber⸗ muth nur auszuführen pflegt. Bald wurde der Angriff und die Ver⸗ theidiguns der Stadt dargeſtellt, und die junge Generation kämpfte

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