— 124—
loſen Anmaaßungen, hatte er auch die, ſich ganz vor⸗ zuͤgliche mediziniſche Kenntniſſe zuzutrauen, uͤber welche Kunſt, ſo wie uͤber eine Menge anderer Dinge, uͤber⸗ haupt, wie er ſagte, ſeine ganz beſondern Anſichten habe. Um Athenais zu beweiſen, daß ihre Muͤdigkeit von vielem Gehen herruͤhre, verbreitete er ſich auf die weitſchweifigſte und langweiligſte Weiſe uͤber die Vortheile und den Mißbrauch der koͤrperlichen Uebun⸗ gen. Er war erſt bis zur Gymnaſtik der alten Griechen gekommen, als ſie ſchon den Geſellſchaftsſaal des Schloſ⸗ ſes erreicht hatten; und damit die dort befindliche Ge⸗ ſellſchaft, von allen den ſchoͤnen Sachen, die er bereits vorgetragen hatte, nichts verlieren moͤchte, kam er noch ein Mal auf die Aegyptier und Chaldaͤer zuruͤck. Waͤhrend dieſes gelehrten Geſpraͤchs blieb Athenais, der er, unter ernſtlicher Empfehlung der groͤßten Ruhe, mit aller Sorgfalt einen Platz auf dem Sopha ange⸗ wieſen hatte, in der That beinahe unbeweglich ſitzen, und war ſo in Nachdenken verloren, daß ſie von Allem, was um und neben ihr vorging, nicht das Geringſte bemerkte. Ihre Augen ruhten unverwandt auf der Thuͤre, zu welcher Frau von Stael gewoͤhnlich herein⸗ trat, denn ſie zweifelte nicht, daß der Prinz ſich bei ihr befinden, und zugleich mit ihr in den Saal kom⸗ men werde. Noch immer hatte es Herr von Schlegel


