20 MA rer Gatte! lebe wohl. Weine über deine trauernde Caliſte nicht, aber flehe für ſie zur allmächtigen Gnade Gottes! Wiſſe, ſelbſt noch über das Grab wird ſich ihre unveränderliche
Zärtlichkeit erſtrecken.“
Adolph netzte mit Thränen den Brief, las ihn mehr als zwanzig Mal durch, und je mehr er ihn las, deſto trauriger wurde ſeine Stimmung, trotz der lebhaften Freude, die das Datum von zwey Monathen anfangs in ihm erregt hatte. Nach vielem Hin⸗ und Her⸗ ſinnen dachte er, daß Caliſte und ihre Mut⸗ ter ſich vielleicht in ein Kloſter eingeſchloſſen hatten, wo ſie ſich durch unauflösliche Ge⸗ lübde ſtrengen Andachtsübungen weihten. Dieſer Behauptung ſtellte der Marquis un⸗ widerlegbare Gründe entgegen.„Noch im⸗ mer iſt ihre leidenſchaftliche Liebe unverkenn⸗ bar; ſie hat dir feyerlich ihre Treue zuge⸗ ſichert: ohne einen neuen Beruf konnte ſie dir alſo nicht auf immer entſagen, zumal da ſie ſchlechterdings kein Umſtand zu dieſem Schritte zwang, ſondern ſie im Gegentheile ſchon die Gränze eines Landes erreichte, wo ſie einen


