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Die That einer Nacht : Roman / von Elisabeth C. Gaskell
Entstehung
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daß Sie meinem armen Vater ein gutes Andenken bewahr⸗ ten, und wenn Sie vielleicht leſen wollen

Er nahm den Brief und las ihn nicht ohne Rührung durch. Dann legte er ihn auf den Tiſch und ſagte:

Der arme Mann! Wie muß er um jene That ge⸗ litten haben! Und Sie, Ellinor, haben auch gelitten.

Ja, ſie hatte gelitten; und er, der da ſprach, war einer der Haupturheber ihrer Leiden geweſen. Sie ſchüttelte mit dem Kopfe als Antwort, dann blickte ſie zu ihm auf, erhob ſich mit ihm und ſagte:

Ich werde jetzt wohl glücklicher ſein; ich war ſtets davon überzeugt, daß die Sache herauskommen würde. Noch einmal, leben Sie wohl, und herzlichſten Dank. Den Brief darf ich wohl mitnehmen? ſagte ſie, einen liebenden Blick auf den unbeachteten Brief ihres Vaters werfend.

O gewiß, gewiß! ſagte er, und dann ergriff er ihre Hand und hielt ſie feſt, während er in ihr Geſicht blickte. Im erſten Augenblick hatte er ſie verändert gefunden, jetzt aber ſchien ſie ihm ganz die Alte wieder. Es waren die⸗ ſelben ſanften ſchüchternen Augen, das Grübchen im Kinn war auch geblieben, und jetzt überzog eine leichte fieberhafte Röthe ihr gewöhnlich ſo blaſſes Geſicht. Er war zwar ein wohlbeſtellter und verheiratheter Richter, aber faſt wollte es ihm ſcheinen, als käme ihm Ellinor in ihrem Kummer und ihrer Aermlichkeit reizender vor, als die ſchöne ſtatt⸗ liche Frau im Nebenzimmer, die nicht allzulieblich ausſah, als er ſie vor wenigen Minuten verlaſſen hatte; bei Elli⸗ nor's Weggehen konnte er deshalb einen ſchmerzlichen Seufzer nicht unterdrücken. Sein Lebensziel war jetzt er⸗ reicht, er hatte ſich die erſehnte Stellung errungen; nun