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Die That einer Nacht : Roman / von Elisabeth C. Gaskell
Entstehung
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nen Dame, die müde und ſchweren Herzens in ihrem Flure ſaß, keine Höflichkeit. Im Gegentheil betrachtete ſie dieſelbe ſo lange von oben herab, bis Ellinor ſcheu ſich vor dem feſten Blicke der großen ſchwarzen Augen zurückzog. Dann verſchwand Lady Corbet mit ihrem Kinde und der Amme in das große Speiſezimmer, in welchem bereits alle Vor⸗ bereitungen zum Frühſtücken getroffen worden waren.

Jetzt kam der Richter. Ellinor ließ inſtinktmäßig ihren Schleier fallen, denn ſie hörte ſeinen raſchen wohlbekannten Schritt. Er warf einen klugen ſcharfen Blick nach der Geſtalt, die im Flur auf ihn wartete, und ſein geübtes Auge erkannte die Dame auch im ſchlichten Reiſeanzuge.

Bitte, wollen Sie in dieſes Zimmer treten, ſagte er, indem er ſeine Arbeitsſtube öffnete, welche nach der Straße hinausging; das Speiſezimmer lag nach hinten, und beide waren durch Flügelthüren verbunden. Der ſchlaue Advo⸗ cat ſtellte ſich mit dem Rücken gegen das Fenſter, um auf dieſe Weiſe das Geſicht ſeines Beſuchs in vollem Lichte zu ſehen. Ellinor ſchlug ihren Schleier zurück, den ſie nur herabgelaſſen hatte, um eine Erkennung im Flur zu ver⸗ meiden. Das Geſicht des Richters veränderte ſich mehr als das ihrige, denn er war nicht, wie ſie, auf dieſe Unter⸗ redung vorbereitet geweſen.

Ellinor! Miß Wilkins! Sind Sie es? ſagte er, indem er auf ſie zutrat, ihr die Hand auf das herzlichſte ſchüttelte und ſeine Verlegenheit ſorgfältig zu verbergen ſuchte. Sie konnte nicht gleich die rechten Worte finden.

Der einfältige Heinrich meldete mir eine Miß Jen⸗ kins. Ich bitte ſehr um Entſchuldigung. Wie konnte man Sie im Flure warten laſſen! Sie müſſen hereinkommen