Teil eines Werkes 
2. Bd. (1851)
Entstehung
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260 Frauen und Opfer.

Der Feldzeugmeiſter ſah ſie fragend an. ‚Fürſt Waldheim, empört über dieſe Unmenſchlichkeit, hat ſich mit dem Officier geſchoſſen, der jene Schandthat be⸗

fohlen. Fürſt Waldheim iſt kein Oeſterreicher— frei⸗

lich,“ unterbrach ſie ſich,„Si e ſind auch kein Oeſter⸗ reicher.“

„Nun, und Fürſt Waldheim?“

„Fürſt Waldheim iſt an der Wunde geſtorben; als er todt war, ging ich nach Peſth in mein Haus zurück und finde dort Alles in Zerſtörung. Mein Mann, ein Arzt, der nur ſeinem Berufe gelebt, von allen ver⸗ wundeten Oeſterreichern geſegnet und verehrt, iſt auf Befehl Euer Excellenz ins Neugebäude geſchleppt— wahrſcheinlich auf Angabe des elenden Grafen L., deſſen Gemahlin er das Leben gerettet, den er ſelbſt aber be⸗ leidigt— weil er ihn verachtet!“

Haynau hatte der zornglühenden Frau mit der größten Aufmerkſamkeit zugehört; als ſie erſchöpft inne hielt, ließ er ſich in einen Seſſel ſinken, und indem die Thränen ſtromweis über ſeine hagern Wangen floſſen, rief er jammernd in Einem fort:„Was für Geſchichten muß ich da hören, was für Geſchichten!“

Agnes glaubte zu träumen— dieſe Schwäche hatte ſie hier nicht erwartet—aber ihr Mitleid wurde wahr⸗ haftig nicht davon angeregt!