242 Ein junges und ein altes Herz.
Geſchlechts gehörten, hatte kein Verſtändniß für Wil⸗ helms traurige Anſichten. Und Wilhelms Behauptungen in dieſem Punkte imponirten ihm auch glücklicherweiſe
nicht, da dieſer noch jünger war, als er, und noch weniger
die Welt und die Frauen geſehn.
Mit Roſalien ſpielte Wilhelm noch eine förmliche Herzensgeſchichte durch. Sie war über ſeine Rückkehr ſo überaus glücklich 1 daß ſie im Alleinſein mit ihm es auch gar nicht mehr verbarg und er daher jetzt entdeckte,
was er ſchon längſt hätte entdecken können, daß nämlich
Roſalie ihn über alle Maaßen liebte. Da entſtand denn in ihm der Plan, er wolle trotz der Verhältniſſe, trotz Roſaliens vorgerücktem Alter, trotz ihrer Häaͤßlichkeit ihr ſeine Hand antragen und mit ihr in irgend einen ſtillen Erdenwinkel ſich zurückziehen. Es war weniger das Bedürfniß zu lieben und geliebt zu werden, denn dies Bedürfniß empfand eigentlich Wilhelm bei Weitem nicht in dem Grade wie andere Menſchen— als viel⸗ mehr das Bedürfniß, eine Seele zu haben, die für ihn dachte, ordnete, waltete, wenn es ſeiner träumeriſchen Natur gerade beſchwerlich fiel, in das Räderwerk des gewöhnlichen Lebens einzugreifen. Roſalie aber, zu ſeiner unendlichen Verwunderung, wies ihn ab, und zwar mit einer Entſchiedenheit, die ihm keine Hoffnung


