Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

¹

Ein junges und ein altes Herz. 241

Fürſtin ſie zu ſenden, halb zur Strafe und halb, damit ſie aus dem Schloſſe entfernt ſei, ſo lange Wilhelm jetzt noch darin blieb, um Alberts Reiſevorbereitungen abzuwarten.

Bei Wilhelm trat jetzt ein Seelenzuſtand ein, der ſeiner Neigung jeden Raum nahm. Keine Faſer ſeines Herzens hing mehr an Ludmillen! Es war, als habe er ſie nie geliebt; die Erfahrung, die er durch ſie ge⸗ macht, hatte er aber in ſich aufgenommen, als ſei ſie einem Freunde widerfahren, er grollte mitleidslos mit ihr, ja er haßte ſie beinahe. Aber eine ſehr üble Folge war, daß er das Frauen⸗Geſchlecht, welches er früher ſeiner Mutter und Roſaliens wegen hatte verehren ler⸗ nen, von nun an unendlich tiefer ſtellte und die beiden Genannten, wie die, welche ihnen ähnlich waren, in ſei⸗ nem Sinne nur noch als Ausnahmen gelten ließ, wäh⸗ rend er diejenigen, die ihm früher als Ausnahmen er⸗ ſchienen, jetzt als Regel betrachtete.

Er haßte nicht die Frauen, aber er that das unend⸗ lich Schlimmere, er achtete ſie gering. Endloſe Unter⸗ haltungen hatte er darüber mit Albert, der ihn zum Vertrauten ſeiner Herzensangelegenheiten gemacht. Albert, der ſich nur die Mühe gegeben, in ſeinem Leben zwei Frauencharactere zu ſtudiren, den ſeiner Mutter und Agnes, die gewiß zu den allerdurchſichtigſten ihres

Gegen den Strom. I. 1 16