Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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Ein junges und ein altes Herz. 237

unter Lachen und Weinen rief ſie ein um das andere Mal:„O Gott, er iſt wieder da! O welch ein Glück, welch ein Glück!“ Wilhelm war von dieſer Liebe, nach⸗ dem ſein Herz eben erſt durch den grauſamſten Verrath zerriſſen worden, ſo tief gerührt, daß er die Faſſung ganz und gar verlor und in Thränen ausbrach.

Bei dieſem unerwarteten Anblick erhielt Roſalie ihre Faſſung wieder. Sie holte ſelbſt ihrem Liebling einen Seſſel, ſie zwang ihn förmlich, ſich darauf nie⸗ derzulaſſen, und dann ſetzte ſie ſich neben ihn und war⸗ tete geduldig, bis ſeine Aufregung vorüber ſein werde. Das erfolgte bald, denn er war zu ſtolz, um ſich nicht im Nothfall beherrſchen zu können.

Er nahm ihre Hand und küßte ſie.„Was führt Dich zurück, Wilhelm, bleibſt Du nun wieder bei uns?“ fragte ſie endlich nach einer langen Pauſe.

„Bleiben? Wo kann ich noch bleiben? Ihr Herz, meine einzige Heimath, habe ich verſcherzt, ich verdiene es nicht mehr, bei Ihnen zu ſein!“

„Wilhelm! Lieber, guter Wilhelm!“

In dieſem Augenblicke hörte man heftiges Pochen an der Thüre. Wilhelm ſtand auf, um nachzuſehen, draußen fand er Albert.

Ich bitte Sie, Wilhelm, gehen Sie mit mir und gewähren Sie mir die Aufklärung, deren ich bedarf,