236 Ein junges und ein altes Herz.
Er nickte nur mit dem Kopfe, dann ging er lang⸗ ſam zur Thüre hinaus, nachdem er die Fürſtin, die ihn nicht weiter zu fragen wagte, traurig gegrüßt.
Er ſtand vor der Thüre des Saales— wo ſollte er jetzt hin! Ein Herz beſaß er nur noch auf Erden,
und an dieſem einen Herzen hatte er eben durch den grau⸗
ſamſten Verdacht geſündigt, es drängte ihn, ſein Un⸗ recht ihr abzubitten. Das Kammermädchen wollte ihn nicht einlaſſen, aber er ſchob ſie zurück und drang in das Cabinet.
Roſalie ſaß mit gekreuzten Händen, wie im Gebet verſunken, auf ihrem Lehnſeſſel. Ein dunkler mantel⸗ artiger Ueberwurf hüllte die Kranke bis zu den Fuß⸗ ſpitzen ein. Um das Haupt hatte ſie einen weißen Schleier gewickelt, ſo daß man nur wenig von ihrem Geſichte ſah. Es war, als ſolle die Welt nichts von ihr, ſie nichts von der Welt ſehen. Eben ſo wenig wie Ludmille vorhin, gewahrte ſie jetzt Wilhelms Eintritt. Sie war in ſo grenzenloſen innern Schmerz verſunken, daß ſie für äußere Eindrücke ganz unempfänglich ge⸗ worden. Als er ſie aber rief, da traute ſie wirklich ihren Ohren nicht. Nicht gleich erhob ſie ſich, er eilte zu ihr, er kniete neben ihren Seſſel! Da im aus⸗ brechenden Jubel ihrer Seele ſchlang ſie beide Arme um
ſeinen Hals, drückte ſein Haupt feſt an ihre Bruſt, und
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