234 Ein junges und ein altes Herz.
Niemand begegnete ihm, matt glimmten die Lampen, aber drinnen war laute Fröhlichkeit, man ſpielte einen Strauß'ſchen Walzer und die Kinder ſprangen und tanzten.
Als Wilhelm die Hand auf die Thürklinke legte, zitterte dieſe Hand doch ein klein wenig, aber die Thüre ſprang auf, und wie Banquo's Geiſt ſtand der Abge⸗ reiſte mitten im dunklen Rahmen. 4
Sein Auge ſuchte nur Ludmillen. Sie ſaß am Clavier, ſie ſpielte den Walzer, aber ſie ſah den Ein⸗ tretenden nicht, weil ihre Augen auf das Notenblatt geheftet waren.
Die Fürſtin gewahrte ihn zuerſt. Mit dem freund⸗ lichſten Geſichte der Welt ſtand ſie auf und ging ihm entgegen.„Haben Sie etwas vergeſſen, liebſter Wil⸗ helm?“ Auch der Fürſt rief ungewöhnlich zuvorkommend: „Eine charmante Ueberraſchung!“
Aber Wilhelm antwortete ihnen nur durch einen flüchtigen Gruß, ging an ihnen vorüber gerade auf das Clavier zu und ſtellte ſich da der Spielenden ge⸗ genüber. Als ſie ihn auch jetzt noch nicht bemerkte, rief er mit keiner lauten, aber eigenthümlich durchdrin⸗ genden Stimme:„Princeſſin Ludmille!“
Da ſah ſie auf, ſie erhob ſich, aber langſam, wie eine Schlafende, ſie ſtreckte abwehrend die Hände gegen


