232 Ein junges und ein altes Herz.
Wagen eine kleine Taſche, worin ſeine werthvollſten Papiere enthalten— ſo bedachtſam war er ſelbſt in dieſem Augenblicke— und eilte wieder zu dem Kinde. Als er dieſem erklärte, er werde es nach dem Schloſſe begleiten, fragte es ganz verwundert:„So reiſen Sie nicht ab, die Princeß ſagte mir doch, ſte warteten nur auf das Zettelchen, um wegzufahren?“
„So?“ fragte er bitter lächend,„meinte ſie das? Sag' einmal, Aennchen, wie kamſt Du denn heute Abend ins Schloß?⸗
„O, Princeß hat mich ſchon vorige Woche beſtellt; ſonſt komme ich immer Sonntags Morgens, um das wöchentliche Almoſen für meine Mutter von der Fürſtin zu holen, aber Princeß Ludmille ſagte mir, ſie wolle mir, wenn ich heute Abend komme, ein warmes Kleid, das ſie nicht mehr trage, für meine Mutter ſchenken.“ 3.
„Nun, und“—
„Nun, ſte gab mir das Kllid, 5 aber, Sie hätten das Zettelchen vergeſſen und warteten hier darauf.“
Das klang ganz unverfänglich für Wilhelm; viel— leicht war dennoch Ludmille ſchuldlos und Roſalie hatte ihn den Eltern verrathen. Aber das wollte er aus ihrem eigenen Munde wiſſen, um jeden Preis, an die Wuth des Fürſten, an den Schmerz der Fürſtin, an
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