Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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Ein junges und ein altes Herz. 231

züge kaum mehr entziffern. Der Inhalt der wenigen Zei⸗ len war:

„Alles iſt verrathen, abſcheulich verrathen! Fliehen Sie ſo heimlich und ſchnell, als wenn ich bei Ihnen wäre, mein Geliebter! Schreiben Sie mir, ſobald Sie in Amerika eingetroffen, und das arme Vögelein, das man jetzt im Käfig doppelt verriegelt hält, fliegt dann über's Meer zu dem, der ſeine Heimath iſt.“

Wilhelm jammerte nicht, er zerdrückte auch nicht das Unglücksbillet, er küßte es auch nicht— nein, er faltete es langſam und ſorgfältig zuſammen, aber ſein Geſicht war entſetzlich blaß und ſeine Augen traten zum Erſchrecken weit unter ihren Wölbungen hervor. Es war ein Gedanke, der ſo überwältigend ſein Gehirn in Beſitz nahm, daß er es beinahe zerſprengte— dieſer Gedanke war ein Zweifel an der, die er über Alles ge⸗ liebt, und daß er dieſen Zweifel hegen konnte, der merkwürdigſte Zug ſeines jungen Characters!

Nach einer Weile ſagte er zu dem Kinde, das war⸗ tend vor ihm ſtehen geblieben:„Bleibe noch einen Au⸗ genblick hier.“ Darauf ging er zu ſeinem Wagen, der jenſeits der Wieſe hielt, und befahl dem Kutſcher, nur ohne Weiteres ins nächſte Oertchen zu fahren, er müſſe noch einmal nach dem Schloſſe und könne vor morgen nicht abreiſen. Dann nahm er noch aus dem

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