Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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4 Ein junges und ein altes Herz. 229 Roſalie lag zu Bett und nahm ſchriftlich von Wil⸗ 1 helm Abſchied. Das Mädchen ſagte ihm, daß Roſalie

Fieber habe— er war ihr Arzt und er ging dennoch. — Sein Herz ſagte ihm laut, daß ſie ſeine einzige wahre Freundin geweſen, daß ſie um ihn leide, aber er ging dennoch!

Noch einmal klopfte Wilhelm an ihre Thüre, aber vergeblich, ſie ließ ihm nicht öffnen. Sie hörte den Wagen, der ihn entführte, vom Hofe rollen, ihr Kam⸗ mermädchen erzählte ihr, daß der Fürſt und die Fürſtin ihn bis an die Treppe, Albert bis zum Wagen beglei⸗ et, daß dort Albert ihn umarmt, und als der Wagen ſchon im Fortrollen begriffen, mit großer Gemüthsbewe⸗ 7 gung ihm nachgerufen:„Verzeihen Sie mir, Wilhelm!“ worauf Letzterer ſchon unter dem Thorwege ſich noch herausgebogen und kaum noch verſtändlich gerufen: Verzeihen Sie mir, Prinz!“

„O meine Ahnung!“ rief Roſalie, indem ſie ihr Antlitz verhüllte. Dann nach einer Pauſe ſagte ſie zu dem Mädchen: ‚Rufe mir meine Nichte Ludmille!“ Als die Jungfer aber ſchon an der Thüre war, rief ſie ſie wieder zurück, und noch dreimal im Laufe des Tages wiederholte ſie den Auftrag, ihre Nichte zu rufen, um 1 ihn ebenſo oft zurückzunehmen.