Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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Ein junges und ein altes Herz. 221

„Haſt Du ſie immer ſo widerwillig geliebt?“ fragte ſie. Er ſchwieg; da legte ſie mit leiſem Druck ihre weiche Hand auf den Arm ihres Erſtgebornen.

Dieſer ſanften Mahnung widerſtand ſein kindlich Gefühl nicht. Er ſagte leiſe:„Nein, ich habe ſie innig, weich und mit anbetender Rührung geliebt; jeden Stein hätte ich aus ihrem Wege, jedes rauhe Lüftchen aus ihrer Umgebung bannen mögen; wenn ſie ſprach, lauſchte ich gerührt dem Ton ihrer Stimme; ich liebte ſie, aber damals gab das Gefühl, daß ich dieſer Liebe nichts von meinen Vorurtheilen opfern wollte, mir ein Un⸗ recht ihr gegenüber und ich wünſchte oft, daß ſie mir eine Marter auferlegen möge, auf daß ich doch etwas um ihretwillen zu tragen habe! Da marterte ſie mich wirklich, ſie glaubte ſich im Recht, aber ſie war unge⸗ recht und hart— ſie ging ſogar fort, ohne mich noch einmal zu ihrem Anblick gelangen zu laſſen. Seitdem grolle ich ihr, ja ich könnte ſie mitleidslos leiden ſehn, mir iſt es oft, ſeitdem ich hier bin, als liebe ich ſie gar nicht— aber Tag und Nacht martert mich das Verlangen, ſie zu beſitzen, ohne ihre Gegenwart iſt mir kein Glück denkbar— ein Wiederſehn mit ihr iſt mir ſo nothwendig, wie die Luft, die ich athme— und wenn ich ſie wiederſähe, dann möchte ich ſie zwingen, mir anzugehören! Ja, es könnte mich kindiſch freuen,