Agnes. 19
Tanzſaales, die Rangordnung undurchdringliche Wände zwiſchen dem jungen Fürſten und ſeiner Dame auf⸗ thürmte, wußte er ſie überall ihre früheren Cavaliere nicht vermiſſen zu laſſen. Auf allen Privatbällen führte er nur ſie zu Tiſch und ſetzte ſich ihr immer gegenüber mitten unter die Lieutenants und Aſſeſſoren, und war immer nur da zu finden, wo ſie war, wenn er ſich auch oft ſtundenlang begnügte, ſie nur anzuſehen— kurz er trieb einen förmlichen Minnedienſt, unbekümmert, was „die Leute“ ſagten.
Und die Leute ſagten viel!„Hat man das je an einem Sprößling eines ſolchen Hauſes geſehen! Wäre es noch ein jüngerer Sohn, aber der Erbprinz!“ be⸗ merkte eine alte Hofdame;„er macht ja die Cour wie ein Student, wie ein Gymnaſiaſt) aber wahrhaftig nicht wie ein Prinz! Daß er dem Mädchen gegenüber ſo aller ſeiner Würde vergeſſen kann, ſpricht ſehr gegen ſte. Fräulein von Stein muß entſetzlich kokett ſein!“
„Fräulein von Stein muß entſetzlich kokett ſein!“ ſo ſagten Alle, kein Einziger ſagte:„er muß ſie außeror⸗ dentlich liebenswürdig finden“— wenn es dieſelben Leute auch noch vor wenigen Monden ſelbſt gefunden.
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Und Fräulein von Stein? Eines Tages kam ihr Vater mit feierlicher Miene in ihr Zimmer.
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